Konzil (Konstanz)

Das Gasthaus

Die Gaststätte in der "Patronentasche"

Im Jahr 1836 war Konstanz in einer wirtschaftlich hoffnungslosen Lage und gezwungen, den Zoll in das 1388 gebaute Kaufhaus (später „Konzil“) einziehen zu lassen. Es wurde ein Zollüberwachungsgebäude an den historischen Bau angefügt, das im Volksmund nicht besonders schmeichelhaft „Patronentasche“ genannt wurde. Vermutlich kommt der Name daher, weil sich der Anbau wie eine um den Bauch getragene Patronentasche an das bestehende Gebäude schmiegt.
Von 1910-1911 entstand bei einem Umbau in der Patronentasche eine Gaststätte, die zum ersten Mal durch den Konstanzer Hotelier Georg Kohler jr. genutzt wurde. 1937 wurde die Patronentasche neu gestaltet und die Küche modernisiert.


In den 1960er Jahren


Eingang zum Restaurant

Die "Patronentasche" s. Text oben


Beide Aufnahmen (oben nachcoloriert)

zeigen das Konzilgebäude um 1900

Die Gaststätte wurde 2006 und 2007 mitsamt der Küche und Terrasse auf eigene Kosten von den Pächtern Hölzl GmbH umgebaut und hat ca. 100 Sitzplätze. Kommen größere Gruppen, kann das Restaurant mit der Konzilstube erweitert werden. Zusätzlich können auf der Terrasse mit Seeblick, die mit einer riesigen Markise überdacht ist, noch 280 Gäste bewirtet werden.
Das Konzil ist ein Restaurant mit bodenständiger, badischer Küche. Die Qualitätszeichen „Gutes vom See“ und „Schmeck den Süden“, garantieren die regionale Herkunft der verwendeten Lebensmittel.

Texte und Fotos * Heidrun Haug * aktualisiert 4/2014




Das Konzilgebäude

Im Konstanz des 14. Jahrhunderts florierte der Handel mit Leinwand. Vor allem Mailänder Kaufleute waren daran interessiert, dass in Konstanz ein Lagerhaus gebaut wurde, denn ihnen und den übrigen norditalienischen Kaufleuten war durch den 1386 ausgebrochenen Krieg zwischen den Eidgenossen und den Herzögen von Österreich die bisher für den Handel bekannte Gotthardroute verschlossen. Man musste auf den Weg über den Septimerpass ausweichen, der auf den Bodensee mündete. Außerdem spielte der Erwerb des Münzrechts vom Bischof von Konstanz und die Verleihung des Zollregals durch Kaiser Karl V. eine Rolle für den Bau. Deshalb wurde 1386 eine Gesandtschaft aus Mailand nach Konstanz geschickt, und am 1. Februar 1387 fasste der Rat auf Bitten der Mailänder den Beschluss zum Bau eines Kaufhauses, „ain Gred“. Unter „Gred“ verstand man ein Lagerhaus mit Stufen zum See, um das Ausladen der Waren bei verschiedenen Wasserständen zu erleichtern. Im März 1388, wahrscheinlich nach Vorbild des 1317 erstellten Mainzer Kaufhauses, wurde mit dem Bau vom Meister "Arnold den Zimmermann" begonnen.
Schon im September 1388 waren die unteren Räume fertiggestellt und ein „Gredmeister“ ernannt, der über die gelieferten Waren und den Zoll Aufsicht führte. Im September 1391 wurde das Dach gedeckt. Mit Umfassungsmauern von 1,25 m – 1,40 m Stärke und einer Grundfläche von 53,50 x 23,50 m gehört das Gebäude zu den größten mittelalterlichen Profanbauten in Süddeutschland. Die Decke der unteren Halle tragen 14 riesige Pfeiler aus Eichenholz von gut einem Meter Seitenlänge. Das Dach, dessen First 28 m über Seeniveau liegt, enthält weitere 3 Böden. Diese Ausmaße erlaubten eine gigantische Lagerkapazität. In den beiden 11 m hohen Hallen bot das Haus eine Grundfläche von 2110 m². In den Dachböden, die mit einem Lastenaufzug versehen waren, befand sich noch weiterer Lagerraum von 2980 m².
Dieses Kaufhaus, in dem außer mit Leinwand später auch mit Seewein gehandelt wurde, eignete sich auch als Festsaal und Ort für Versammlungen, denn es war groß und verkehrsgünstig gelegen. Dies war der Grund, weshalb das „Concilium“ in Konstanz stattfand, um das Schisma zu beenden, dass drei Päpste gleichzeitig die Vorherrschaft beanspruchten.

Im 18. Jahrhundert ging der Umsatz der Händler zurück, die großen Zeiten des Kaufhauses waren vorbei. 1836 wurde ein Anbau, die sogenannte Patronentasche, für den Zoll erstellt. Von 1839 bis 1842 wurde ein Hafen gebaut. Zuvor war das Kaufhaus durch einen schiffbaren Kanal mit dem See verbunden, damit die Waren unmittelbar vom Schiff ins Haus gehievt werden konnten. Durch den Hafen wurde das Gebäude endgültig vom See getrennt. Als Konstanz 1863 an das Bahnnetz angeschlossen wurde, ging die Bahntrasse westlich am Konzil vorbei. Ein Schienenstrang wurde durch das Erdgeschoss gelegt, später aber wieder entfernt.

Im Jahr 1885 stellte das Bauamt fest, dass das Schlimmste für den weiteren Bestand des Gebäudes befürchtet werden muss wenn nichts geschieht. Im riesigen Dach waren Streben lose, die unteren Pfosten neigten sich bedenklich zum See hin, gewaltige Risse waren im oberen Teil festzustellen usw. Vor allem der Brandschutz war nicht gewährleistet. 1887 begann die Stadt, das Konzilgebäude zu erneuern. Trotz Finanzmisere wurden Gutachten von bekannten Architekten angefordert. Von all den Vorschlägen wurde aus Kostengründen nichts verwirklicht. 1905 legte der neue Stadtbaumeister drei Projekte vor, die am historischen Äußeren des Gebäudes fast keine Veränderung vorsahen. Nur innen sollte umgestaltet werden. Vor allem galt es, für Feuersicherheit und Fluchtwege zu sorgen: das Dach der Patronentasche wurde mit einer Eisenbetonplatte versehen und erhielt eine Außentreppe. So konnte das Dach als Freiterrasse auch gastronomisch genutzt werden. Die Außentreppe diente als Fluchtweg für das obere Stockwerk im Brandfall.

Dass die Bezeichnung „Konzilgebäude“ oder einfach „Konzil“ bis heute bei den Konstanzern verwendet wird, ist vermutlich dem Goldschmied Josef Kastell zuzuschreiben. Er legte 1824 seine private Sammlung mit den schon im Kaufhaus gezeigten Erinnerungsstücken an das Konklave von 1417 zusammen im Bemühen, die noch erhaltenen Überreste der Vergangenheit zu sammeln und öffentlich zu zeigen. Die Papstwahl war das einzige wichtige sakrale Ereignis in der Geschichte des Hauses. (siehe Überlieferungen und Mythologie)

1910 wurde dann ein Umbau genehmigt, der bis 1911 dauerte. Es entstanden ein Konzertsaal für 600 Personen, ein Restaurant in der "Patronentasche", eine Gartenterrasse sowie ein großer Kongress- und Festsaal mit modernen technischen Einrichtungen.
Es dauerte noch bis in die zwanziger Jahre, bevor man den imposanten Bau auch gezielt in der Werbung für den Fremdenverkehr einsetzte.

In den 1970er Jahren erfolgte ein Sanierungsumbau. Dann, nach weiteren 34 Jahren, wurde das Dach erneuert, die alten, etwa 200 Jahre alten Ziegel mussten durch neue ersetzt werden. Für weitere Sanierungen war kein Geld vorhanden. Eine dringende Sanierung wurde nochmal vertagt, bis das bevorstehende Konziljubiläum 2014-2018 mit ein Anlass war, das alte Gebäude zu überholen. Auch die gesamte Technik war veraltet. So wurde im November 2009 mit der Erneuerung begonnen. Der verantwortliche Architekt Johannes Kumm wollte nicht nur die Schäden beheben, sondern auch die Räume wieder klarer herausarbeiten. Die Idee einer Unterkellerung unter dem nördlichen Vorplatz entstand, um die Toiletten dort zu konzentrieren und zwei Lagerräume und einen Technikraum zu schaffen. Zuvor mussten die Archäologen das Baufeld untersuchen. Dabei stellte man fest, dass die östliche Außenwand des Konzils auf der alten Stadtmauer aufgebaut worden war. Durch die Verlegung der Lagerflächen vom Dach in den Keller ergab sich die Möglichkeit, unter dem Dachstuhl einen weiteren Saal für die Bürger zu erstellen. Um mit allen Umbaumaßnahmen beginnen zu können, musste das gesamte Haus zuerst von den 1911 eingebauten Asbestplatten und dem asbesthaltigen Estrich befreit werden. Dann wurden die Stützen und Balken saniert, ein Aufzug und neue Treppen eingebaut. Die Technik wurde total erneuert, eine neue Heizung und Lüftung auf Geothermiebasis erstellt. Im März 2013 war die Sanierung beendet, die für alle Beteiligten, ob Ingenieure, Wirt oder Handwerker eine große Herausforderung war, da sie bei laufendem Betrieb durchgeführt werden musste.
Jetzt kann das „neue“ alte Konzilgebäude wieder für Kongresse, Konzerte, Fastnachtsveranstaltungen und private Feiern genutzt werden.
(ausführlicher Bericht über die Konzilsanierung von Johannes Kumm im „Delphinbuch 11“, S.152)

Der untere Konzilsaal, fastnachtlich geschmückt

Der neu entstandene Saal unter dem Dach

Essen und Übernachten

Im Konzil kann man nicht übernachten, aber in der unmittelbaren Umgebung befinden sich mehrere Hotels.
Die Küche ist bodenständig, badisch und mit den regionalen Labels "Gutes vom See" und "Schmeck den Süden" ausgezeichnet. Dazu hat Manfred Hölzl Rezepte der Hildegard von Bingen mit auf seine Speisekarte genommen. Außer Ernährungsseminaren findet auch alle zwei Jahre der "Hildegard-Kongress" mit ca. 500 Gästen im Konzil statt. In der Hildegard-Küche, die auch in die normale Rezeptur Eingang gefunden hat, werden u.a. Dinkel, Wurzelgemüse und viele Kräuter verwendet.


    Konzil
    Hölzl - Gastronomie GmbH
    Hafenstraße 2
    78462 Konstanz
    Telefon: +49 (0)7531 / 2 12 21
    eMail: mail@konzil-konstanz.de
    http://www.konzil-konstanz.de/

    Ruhetage: Kein Ruhetag, das Restaurant in der Patronentasche ist von 10.00 - 22.00 Uhr geöffnet.

    Historische Gasthäuser
                        und Gasthöfe in Baden