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Historische Gasthäuser
Konstanz
Konzil
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Rolle in der Geschichte

Lagerhaus, Kaufhaus und Weltbühne

Zur Blütezeit des Handels zwischen 1350 und 1460 war Konstanz eine der wohlhabendsten Städte Oberdeutschlands mit dem größten bürgerlichen Vermögen. Das 1391 fertiggestellte Gebäude stand unter der Aufsicht des Rats, der einen städtischen Beamten als „Hausherrn“ einsetzte. So war es möglich, unter öffentlichem Schutz ein Warenlager zu unterhalten, gleichzeitig eine Börse für die von den Webern gebrachte Ware und die erste Verkaufsstelle auf deutschem Boden für die nach Norden reisenden Lombarden. So wurde es vier Jahrhunderte lang genutzt.
Für die Bevölkerung der Stadt diente das große Haus auch als Versammlungsort und Festsaal.
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Bild vergrößern Beim Umbau 1910 entstand der Konzertsaal für 600 Personen, das Restaurant in der "Patronentasche", eine Gartenterrasse sowie ein großer Festsaal mit modernen technischen Einrichtungen-oben: der Konzertsaal 1905;links: die Lagerhalle im Erdgeschoß um 1900
Bild vergrößern Der obere Saal, ebenfalls um 1900...
Bild vergrößern ... mit Bestuhlung

Seit 1378 stritten ein Papst mit Sitz in Avignon und ein Papst mit Sitz in Rom darum, wer der wahre Stellvertreter Christi auf Erden wäre. 1409 kam noch ein dritter Oberhirte durch das Konzil in Pisa hinzu, der sich Johann XXIII. nannte. Da jeder von der Rechtmäßigkeit seines Anspruches überzeugt war, setzte sich eine Kirchenspaltung bis in die Bistümer fort. Auf politischer Ebene sah es nicht besser aus. Kriege und Feindseligkeiten in Europa und dazu noch die Pest verbreiteten eine Art Endzeitstimmung. In dieser chaotischen Zeit ergriff König Sigismund die Initiative und berief ein allgemeines Konzil ein, nicht nur wegen der Kirche, sondern auch wegen der allgemeinen Umstände. Der Chronist Ulrich Richental berichtet, dass sich Graf Nellenburg nachhaltig für Konstanz als Ort des geplanten Konzils einsetzte. Die Stadt läge am Rhein und Bodensee, wohin man alles Notwendige mit dem Schiff bringen könne und auch alle Lebensmittel zu niedrigen Preisen zu kaufen seien. Da Konstanz auch ein Bistum war und zum Reich gehörte, wandte sich Sigismund an den einflussreichsten Papst Johann XXIII. und schlug ihm die „würdige“ Stadt Konstanz als Ort für die Zusammenkunft vor. So tagte dieses „große Abendländische Konzil“ von November 1414 bis Mitte 1418 im großen Konstanzer Warenhaus. Der neue Papst Martin wurde gewählt. (siehe Überlieferungen und Mythologie)



Erst "Altertumshalle" dann Restaurant

Die Stadt zeigte bestimmte Erinnerungsstücke öffentlich in ihrem altehrwürdigen Kaufhaus. 1788 waren die Thronsessel von Papst Martin und Kaiser Sigismund, hölzerne Wehrschilder, die mit dem Konstanzer Wappen bemalt sind, alte Kriegsrüstungen, Helm und Leibharnisch, Panzer, Wurfpfeile, Streitaxten u.a. ausgestellt. Mit diesen Anfängen verband nun der angesehene und vermögende Goldschmied Josef Kastell sein privates "Antiquitätenkabinett" und eröffnete 1824 die Konstanzer "Altertumshalle". Für die Besichtigung wurde behördlich das Eintrittsgeld festgesetzt und ein Fremdenbuch aufgelegt. Nach dem Tod von Kastel übernahm Josef Fickler die Altertumshalle, die neben Denkwürdigkeiten aus der Konzilzeit auch Reliquien von Hus, Missale des Papstes Johann XXIII., Funde aus dem Thurgau und aus Windisch, Waffen und Handschriften aus dem Mittelalter usw. enthielt.

Bei einem Umbau 1910 entstanden im Konzilgebäude ein Konzertsaal für 600 Personen, ein Restaurant in der "Patronentasche", eine Gartenterrasse sowie ein großer Kongress- und Festsaal mit modernen technischen Einrichtungen. Zum ersten Mal wurde 1912 durch den Konstanzer Hotelier Georg Kohler jr. das Konzil auch als Restaurant genutzt. Es dauerte noch bis in die zwanziger Jahre, bevor man den imposanten Bau auch gezielt für die Werbung für den Fremdenverkehr einsetzte.
Bild vergrößern Das alte Restaurant
Bild vergrößern ... und der Konzertsaal, in dem auch bewirtet wurde ...und wird

Die Fresken im oberen Saal

Lange Zeit stand das Kaufhaus verwahrlost und halbverlassen da, ringsum hatte man die alten Nachbarn, wie das Dammtor, den Aberhagken, das Steuerhaus usw. abgerissen. Kein Wunder, dass viele Konstanzer meinten, das alte Gebäude passe nicht mehr in die Zeit. Als dann der Anschluss an das badische Eisenbahnnetz erfolgte, hofften einige, dass es den Nachbarn gleich abgerissen werden müsse. Zum Glück gab es in der Stadt eine Strömung, die dem Niederreißen Einhalt gebot. Der große Saal wurde wieder in einen baulich untadeligen Zustand gesetzt. An der Stelle, an der früher die berühmte Konstanzer Leinwand zum Kauf ausgelegt wurde, konnten Maler- und Bildhauerwerke ausgestellt werden. Auch in den unteren Hallen konnten wieder Märkte stattfinden.

Nur der Wandschmuck fehlte noch. Die Stadt bat den berühmten Mitbürger Friedrich Pecht, in die dafür freigelassenen Friesstücke Fresken einzufügen.
Auf der linken Seite sollten die Bilder mit der Völkerwanderung beginnen und mit dem Mittelalter abschließen, auf der rechten Seite sollte mit dem Zeitalter der Renaissance begonnen werden. Auf diese Weise entstanden zwischen 1869 und 1876 18 Fresken, die auch heute noch bewundert werden können.
Bild vergrößern Im oberen Saal...
Bild vergrößern mit seinen uralten Balkenfinden Sie auch die Fresken Friedrich Pechts. Oben: Kaiser Josef besucht Konstanz
Bild vergrößern Kaiser Wilhelm in Konstanz
Bild vergrößern Die Alamannen werden bekehrt

Die Bilder im unteren Konzilsaal

Der Konstanzer Kommerzienrat Gustav Prym erreichte mit einer Spende, dass der Kunstmaler August Groh den unteren Konzilsaal mit Szenen aus der Zeit des Konzils schmücken konnte. Leider wurden sie zum Teil umgehängt, verputzt, zerschnitten. Nach einer umfangreichen Restauration können nun die meisten der Bilder in ihrer ehemaligen Schönheit wieder bewundert werden.
Bild vergrößern August Groh (1871 - 1944) war Professor an der Karlsruher Kunstgewerbeschule. Bis 1924 lehrte er Monumentalmalerei und Plakatkunst. Oben: höfischer Tanz; rechts: Detail der historisch gut rekonstruierten damaligen Mode
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Bilder

das Konzil mit Dammtor, Krenchtor und Aberhagken vor 1830
so könnte es im 17. Jht. ausgesehen haben
nach 1842
Konzil mit dem früheren Gasthaus zum weißen Kreuz
nach 1905
nach 1911
Marktstätte, Hafen und Konzil um die Jahrhundertwende
mit Gondelhafen und Zeppelindenkmal
um 1904
nach dem Umbau 1905
Blick auf den Stadtgarten, der 1879 fertig wurde, links das Konzil, Foto Wolf
unbekannter Künstler