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Historische Gasthäuser
Konstanz
Steigenberger Inselhotel
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Rolle in der Geschichte

Über Jahrhunderte ein Kloster

1236 verfügte Bischof Heinrich von Tann, dass auf der Konstanzer Insel ein Dominikanerklosters errichtet werde.
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Bild vergrößern Die typische Klosterarchitektur mit wehrhaften Elementen ist bis heute erkennbar.
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Da die Armutsideale der Waldenser und Albigenser (südfranzösische „Ketzer“) das Volk immer mehr beeindruckten, wurde eine kirchliche Antwort nötig. Diese Antwort war neben spezifischen Kreuzzügen der von Dominikus (1170-1221) gegründete Bettlerorden. Die Dominikaner bauten ihre Niederlassungen im Randbezirk der Städte und kümmerten sich zunächst um die vernachlässigte städtische Seelsorge. Später übertrug Papst Gregor IX. ihnen noch das Inquisitionsgeschäft.
In angenehmerer Rolle traten die Konstanzer Vertreter des Ordens während des Konzils (1414-1418) auf: sie waren Gastgeber der Italiener und Franzosen. Ferner trugen sie ausdrücklich Sorge dafür, dass der auf der Insel festgehaltene Reformator Hus gut behandelt wurde.

Der Mystiker
Viele Gelehrte und Dichter wirkten im Inselkloster, der bekannteste war Heinrich Seuse, der sich später "Suso" nannte. Auf dem Gemälde aus dem 17. Jahrhundert ist er mit dem Jesuskind dargestellt, im Hintergrund die Klosteranlage. Das rechte Bild zeigt den Kreuzgang wie er auch heute noch aussieht.
Suso, um 1300 geborener Heinrich, Ritter von Berg, trat bereits als sehr junger Mann ins Insel-Kloster ein, nachdem er zuvor seit seinem 14. Lebensjahr die Dominikaner – Schule besucht hatte. Viele Jahre lebte der junge Mann den unauffälligen Klosteralltag, bis er laut eigener Berichte den „Ruf Gottes“ vernahm. Ab diesem Moment wurde aus einem unbedarften, schöngeistigen Mönchlein ein fanatischer Gottessucher, der andere mit seiner extremen Askese erschreckte. Suso (lateinisch vom Namen der Mutter ‚Seuse’ abgeleitet) entwickelte sich zum bedeutenden Wahrheits- und Weisheitssucher und seine Oberen schickten ihn nach Straßburg wo der Mystiker 'Meister Eckhart' lehrte. Hier lernte der Mönch vom Bodensee um 1320 auch Johannes Tauler kennen, einen weiteren Suchenden auf dem Weg zur ‚Unio Mystica’ (der ultimativen Verbindung mit Gott).
Seuse wirkte dann von Konstanz aus ab 1330 als wandernder Predigerbruder und bereiste die gesamte Diözese bis in die Schweiz. In späteren Jahren (um 1349) wurde der Wahrheitssucher wegen verleumderischer Anklagen nach Ulm versetzt, wo er am 25. Januar 1366 verstarb. Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Das Büchlein über die Wahrheit“ und „Das Büchlein von der ewigen Weisheit“.
Die Erkenntnisse aller hier erwähnten Mystiker enthalten große Lebensweisheit und Programme zur Geistschulung, die man somit nicht nur in fernöstlichen Praktiken wie Zen zu suchen braucht.
Meister Eckhart gab dem Suso auf die Frage, was für einen Menschen, der Gott sucht, die förderlichste Übung sei folgenden Rat:
„Er soll seiner selbst nach seiner Selbstheit mit tiefer Gelassenheit ertrinken und alle Dinge von Gott, nicht von der Kreatur nehmen und sich in stille Geduldigkeit versetzen gegen alle wölfischen Menschen.“
Bild vergrößern In diesem Kreuzgang wandelte bereits der Mystiker Heinrich Seuse - s. Bild rechts (Quelle: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon). Seine wichtigsten Werke waren „Das Büchlein über die Wahrheit“ und „Das Büchlein von der ewigen Weisheit“.
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Zwei außergewönliche Bildzyklen

Die "Insel" ist für historisch Interessierte ein Füllhorn der Entdeckungen - auch wenn vielleicht nicht mehr Alles mit dem bloßen Auge nachvollzogen werden kann. Bei all den großen und kleinen Sehenswürdigkeiten (siehe auch Kapitel "Streifzüge") sollten Sie nicht die berühmten Bilderzyklen in Steigenbergers Inselhotel vergessen.
Bild vergrößern Besonders spannend ist häufig das "Verborgene"...
Bild vergrößern beispielsweise dieser Wappenstein hinter dem Kapitelhaus.
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Der Martyriums Zyklus

Wer sich traut, in die Mystik des tiefsten Mittelalters einzutauchen, wird den Wandgemälden im heutigen Festsaal des Inselhotels ehrfürchtig gegenübertreten. Die heute noch erhaltenen 69 Fresken, die Märtyrerszenen darstellen, sind Zeugen der ursprünglichen Bestimmung des dreischiffigen Raumes – einer Kirche.
Auf dem Fries, der sich an der Nordwand des Saales in einer Länge von 20 und einer Breite von 3 Metern erstreckt, sind Märtyrer, wie der Heilige Victor von Marseille, der durch Mühlsteine gemahlen wird, der Heilige Georg, der am Rad gedreht wird, der Heilige Matthias, der gesteinigt wird, die Heilige Domitilla, die verbrannt wird, und sogar der Bethlehemische Kindermord dargestellt.

Bauhistorische Untersuchungen bestätigen, dass die runden Medaillons schon kurz nach der Gründung des damaligen Dominikanerklosters Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts aufgebracht worden waren. Die Mönche glaubten damals, dass ein Martyrium der ehrenvollste Weg sei, um Gott näher zu kommen. Ebenso hofften sie, sich durch die Betrachtung der Szenen in das Leiden Christi versenken zu können.

Der religionsgeschichtliche und kunsthistorische Wert der Werke wurde jedoch im Jahr 1875 keineswegs gewürdigt, als das Klosterareal nach wechselvoller Geschichte im Besitz des Grafen Ferdinand von Zeppelin zum luxuriösen Hotel umgebaut wurde. Große Flächen des ursprünglich aus 102 Einzelgemälden bestehenden Frieses, das unter altem Putz freigelegt worden war, fielen Umbaumaßnamen zum Opfer. Der Rest verschwand unter Tapete; und nur ein kleines Fragment fand den Weg ins damals schon existierende Konstanzer Rosgartenmuseum.

Erst 1966-1970 kamen die wertvollen Kunstwerke wieder ans Tageslicht, als sie vom Freiburger Restaurator Emil Geschöll in aufwändiger Feinarbeit freigelegt wurden.

Der Gast, der heute den Hotelsaal mit seinen hohen Deckengewölben und seinen ehrwürdigen Säulen betritt, fragt sich angesichts der schier unerträglichen Grausamkeit der Folterszenen vielleicht, warum die Abbildungen hier belassen wurden, anstatt fachmännisch abgetragen und ins Museum verbracht zu werden. Lässt man sich darauf ein, erkennt man jedoch, dass auch (und gerade) die Wirkung dieses geschichtlichen Erbes die Einzigartigkeit des Steigenberger Inselhotels ausmacht.


Die Fresken des Karl Häberlin

Betritt man das Inselhotel und geht an der Rezeption vorbei, gelangt man sogleich in einen herrlichen, lichtdurchfluteten Gang mit hohen Spitzbogenfenstern - dem Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters.

Zunächst nimmt man die Schönheit längst vergangener Architektur-Kunst wahr: Das imposante Karree schließt sich um einen offenen Innenhof, den ein riesiger Brunnen ziert. Doch sofort fordern Hunderte von Körpern, Köpfen und Augen die Aufmerksamkeit des Gastes. Allgegenwärtig sind farbenfrohe, überlebensgroße und besonders naturalistische Fresken des Stuttgarter Akademieprofessors Häberlin, die in den Jahren 1888 bis 1904 entstanden.


Häberlin, ein überzeugter Vertreter des seinerzeit gerne praktizierten Pädagogischen Historismus, legte Wert darauf, den Betrachtern seiner Werke Geschichtswissen über bedeutende Ereignisse in der langen Historie des ehrwürdigen Gebäudekomplexes zu vermitteln.

So werden in den großformatigen Wandmalereien z.B. die Ernennung des Konstanzer Bischofs Maximus im Jahr 600, der Empfang der Mönche von St. Gallen und Reichenau 780, die Gründung des Klosters durch Bischof Heinrich von Tann 1236 und der Besuch Kaiser Wilhelms II im Jahr 1888 dargestellt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient neben der imponierenden Größe und der Fülle der Abbildungen auch Karl Häberlins Liebe zum Detail. Mimik und Gestik der Personen sind so realistisch dargestellt, dass man im Licht- und Schattenspiel der großen Fenster fast etwas Lebendiges erahnen möchte.
Wenn man genauer hinsieht, bemerkt man auch das verschmitzte Engelchen, das als Malergehilfe das Geschichtsbuch der Insel aufschlägt. Daneben liegt eine leere Geldbörse, die wohl als feiner Fingerzeig des Künstlers auf zu geringe Entlohnung für sein Werk gedeutet werden darf.
Bild vergrößern Karl Häberlin: Taufe eines Kindes der Genfer Kolonie im Refektorium 1786
Bild vergrößern Karl Häberlin: Der "schelmische" Soldat

Bilder

Ansichtskarte, Lithografie um 1900
Ansichtskarte um 1910, nachcoloriert
Ansichtskarte nach Gemälde von Marschall, 1919
Ansichtskarte um 1930
Kreuzgang und Refectorium, Ansichtskarte datiert 31.07.1898
Diesem aparten Hotelführer im Jugendstil-Design sind die folgenden Bilder entnommen. Er wurde um 1905 von Matthys Brunner herausgegeben.
Holzschnitt, nach Originalzeichnung von F. Faller, signiert J.G. Specht und Faller; aus "Über Land und Meer", 1875
Dieses (Eingang Hotel und Universität, 1967 - Sammlung Willy Pragher) und die folgenden Bilder sind aus den Beständen des Landesmuseums Baden-Württemberg; siehe https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/
Speisesaal im Ergeschoß, 1910 (Bild: Glasnegative Wilhelm Kratt (1887-1968) - Landesamt für Denkmalpflege)