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Historische Gasthäuser
Freiburg
Oberkirchs Weinstuben
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Rolle in der Geschichte

Ein Spaziergang durch die Jahrhunderte

1738 bis 1785 Mathias und Regina Wilhelm
Stellt man sich einen Gastwirt im Anzug vor? Aber nein! Ein Gastwirt wäscht Gläser, er schleppt Weinfässer – da wäre ein Anzug unangebracht. So ist es wohl nicht allein schriftstellerische Fantasie, wenn ein Zeitungsbericht aus den Dreißigerjahren den ersten Gastwirt des späteren „Oberkirch“ – es war Mathias Wilhelm aus Burkheim im Kaiserstuhl – mit einer gewissen „Hemdsärmeligkeit“ vorstellt. Nämlich so:
Bild vergrößern Oben: Ansicht in den 1970ern; Rechts: gestempelt 1912
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„Wie nun dieser Gründer Mathias Wilhelm auf die Weinstube am Kaufhaus kam, ist wohl kaum mehr zu erfahren. Es war keine welthistorische Tatsache, als er im Spätjahr 1738 plötzlich an einem schönen Tage einen Busch am Haus Nr. 289 am Münsterplatz heraushing, und in Hemdsärmeln unter der Türe stand und auf Gäste wartete. Er stand nicht lange vergebens. (…) Schon im Jahr 1746 konnte Wilhelm das Haus ankaufen, und als im Jahr 1749 seine Frau Regina Schmid ihm ein Mädchen zur Welt brachte, konnte er im Taufbuch des Münsters die Berufsbezeichnung „Bürger und Wirt“ angeben.“

Der zitierte Bericht erschien am 27. November 1938 in der Tageszeitung „Der Alemanne“ unter dem Titel „200 Jahre Weinstube am Kaufhaus. Die Geschichte einer Buschwirtschaft auf dem Freiburger Münsterplatz“. Für die Geschichte des „Oberkirch“ ist der Bericht eine einzigartige Quelle. Es gibt Häuser, die fünfhundert Jahre im Besitz derselben Familie sind – das ist beim „Oberkirch“ nicht der Fall. Zwar besitzt auch das „Oberkirch“ eine alte Gasthaustradition; Stammbücher jedoch wurden nicht geführt. Manches zusätzliche Dokument, das wertvoll gewesen wäre, mag im 2. Weltkrieg vernichtet worden sein.

Das macht den Bericht im „Alemannen“ so bedeutungsvoll; er beruht im wesentlichen auf einem Gespräch zwischen Karl Oberkirch und einem Journalisten des „Alemannen“, der seine Arbeit mit den Initialen „K. M.“ unterzeichnet hat. (Karl Oberkirch war, als er das Interview gab, erst seit etwa einem Jahr Inhaber des Hauses am Münsterplatz.)

Es sind im Grunde nicht mehr als drei Wirtsfamilien, die seit 1738 bis heute das Haus geführt haben: Die Wilhelms, die Hummels und die Oberkirchs.

Der erste Wirt, Mathias Wilhelm, stirbt 1769; Regina Wilhelm, seine Frau, leitet das Haus bis zu ihrem eigenen Tod am 31. März 1785; dann ging die Weinstube am Münsterplatz auf ihren Sohn Josef über.


1785 bis 1829 Josef und Elisabeth Wilhelm

Josef Wilhelm hatte sich bereits im Todesjahr seines Vaters – 1769 – in die Küferzunft aufnehmen lassen – wohl wissend, dass er es dadurch später einmal leichter haben würde, die Weinstube seiner Eltern zu leiten – und vor allen Dingen die Konzession der Behörde dafür zu erhalten. Um das Jahr 1769 dürfte er auch geheiratet haben, etwa 29 oder 30 Jahre alt. Der Weinschank war jedoch nur ein Nebengeschäft von ihm; im Hauptberuf war er als Kanzlist und Schreiber bei der Stadt angestellt.

Eine gute Woche nach dem Tod seiner Mutter erhielt er mit Schreiben vom 8. April 1785 die Erlaubnis, die Weinwirtschaft weiterzuführen. Josef Wilhelm zählte damals schon 45 Jahre und hatte für eine Familie zu sorgen. Die städtische Behörde berücksichtigte bei der Schankerlaubnis auch den Umstand, dass sein Schreibergehalt äußerst bescheiden war: Sollte es allerdings einmal 300 Gulden übersteigen – so stand es im Brief aus dem Rathaus –, so sei ihm der Weinschank nicht länger erlaubt.

Als sich die Stadt indes fünf Jahre später erkundigte, wie es denn inzwischen um seine Einkünfte bestellt sei, machte Josef Wilhelm geltend, dass er dringend auf die Einnahmen aus der Weinwirtschaft angewiesen sei – denn er habe fünf „noch unerwachsene“ Kinder. Dieses Argument verfing – die städtische Behörde insistierte nicht länger.

Josef Wilhelm wurde von seiner Frau Elisabeth (geborene Wisler), der „Stadtkanzlistenfrau“, wie man sie nannte, in allen Belangen kräftig unterstützt. Wahrscheinlich lag die größere Verantwortung für die Weinwirtschaft sogar in ihren Händen. 1815 starb sie. Ihr Mann überlebte sie um vierzehn Jahre. Am 29. Juni 1829 starb auch er – im damals wie heute ungewöhnlich hohen Alter von 89 Jahren.


1829 bis 1834 Josef Laurent

Nach seinem Tod ging das Haus am Münsterplatz an Josef Laurent über; über ihn schweigt die Überlieferung; wir wissen nur, dass Haus schon nach fünf Jahren an den Buschwirt Christian Hummel weiterverkaufte, der es bis 1863 leiten sollte.


1834 bis 1863 Christian Hummel

Über Christian Hummel wissen wir deutlich mehr als über seinen Vorgänger. Nicht zuletzt wohl auch deswegen, weil er – wie vor ihm Mathias Wilhelm und wie nach ihm Karl Oberkirch – seinen Besitz nicht nur wahrte, sondern in gewissem Sinne erweiterte und verwandelte. Der „Alemanne“ berichtet über ihn:

„Hummel hatte vorher schon in der Gauchstraße 35 – damals Klarissergasse genannt – eine Wirtschaft betrieben, die ihm aber zu klein war. Hier auf dem Münsterplatz konnte er sich viel mehr entfalten und er bot alles auf, um die kleine Weinstube zu vergrößern und mehr Gäste anzulocken. Lange dauerte sein Kampf, bis er endlich die Erlaubnis erhielt, warme Speisen abzugeben, da die alten Buschwirtschaften nur Wein und einige kalte Speisen abgeben durften. Es gelang ihm, die ehemalige Buschwirtschaft in ein Restaurant umzuwandeln …“


1863 bis 1936 Eduard Hummel

Christian Hummel und nach ihm sein Sohn Eduard führten das Haus am Münsterplatz fast sechzig Jahre lang – bis 1936. Sie besaßen nun eine einfache Speisewirtschaft, die warme Mahlzeiten anbieten durfte – durchaus mehr als die kleine Weinschänke, wie ihre Vorgänger sie betrieben hatten. Aber wir dürfen uns noch kein Restaurant mit einer großen Auswahl von warmen Speisen vorstellen – dazu sollte es erst später unter Karl Oberkirch kommen.

Doch auch in Eduard Hummel war ein Geist der Erweiterung wirksam; wir lesen über ihn: „Jetzt wurde auch noch die kleine Wirtsstube zu eng, und Eduard Hummel kaufte kurz entschlossen die andere Haushälfte dem Schuhmacher Johann Schmid um 12.000 Gulden am 13. Juli 1870 ab und baute den ganzen unteren Stock zur Wirtschaft aus. (…) ‚Der Hummele am Münsterplatz’ war für jeden Freiburger ein Begriff (…), jene kleine Wirtschaft neben dem Kaufhaus, wo die Bürger und Handwerker aus der Gegend sich ab und zu bei einem Glas Wein ein Stelldichein gaben und wo am Vormittag die Marktleute ihren Kaffee tranken; und wenn das Geschäft auf dem Markt gut ging, dann kamen sie auch zum Mittagessen. Es war jene Zeit vor und nach dem 1870er Kriege, als Freiburg sich allmählich ausdehnte und sich ein Ring von neuen Straßen mit vielen neuen Häusern um die Altstadt legte. Der Zuzug von Fremden nach Freiburg war ziemlich stark, und die Lebensverhältnisse in der Stadt änderten sich allmählich. Diese Veränderung spürte man sogar auf dem Münsterplatz, der Zulauf vom Lande nahm zu, der Umsatz stieg, und befriedigter kehrten die Marktleute am Samstagnachmittag wieder heim. Einer merkte besonders etwas davon: Es war Eduard Hummel mit seiner kleinen Wirtschaft neben dem Kaufhaus.“

Ein elsässischer Kachelofen, charmante Suiten, überraschende Ausblicke

Der schöne Kachelofen zeigt auf seiner Vorderseite in lateinischen Ziffern die Jahreszahl „1937“. Denn in diesem Jahr kam er ins Haus. Karl Oberkirch hatte ihn im Elsass entdeckt. Dort wurde der Ofen abgetragen und in Freiburg wieder aufgebaut … Zum Heizen wurde der Ofen nie verwendet; er ist ein reines Schmuckstück. Unwahrscheinlich, dass er überhaupt für den vollen Heizbetrieb konstruiert worden ist; dafür zeigen die Kacheln eine fast zu feine Zeichnung … Im Winter wird er zwar immer ein wenig warm; aber das rührt von den Rohren der Zentralheizung her, die unter ihm durchlaufen und Hitze abstrahlen. Die Schamotte wird warm, auch ohne Feuer im Ofen.

Die meisten Möbel stammen – genau wie der Kachelofen – aus der Zeit, als Karl Oberkirch das Haus frisch übernommen hatte. Er hat das Interieur nach seinen Vorstellungen ausgesucht. Die handgedrechselte Stühle, die Restauranttische, auch die Holzvertäfelung … Die Einrichtung, wie sie großteils noch heute zu sehen ist, wurde von Schreinern in den Jahren 1936 und `37 hergestellt oder nach Oberkirchs Ideen zusammen mit dem Freiburger Einrichtungshaus Dietler konzipiert.

Die Suiten stammen aus späterer Zeit. Jede hat ihren eigenen Charme. Man kann englische Tapeten entdecken und schönes Mobiliar. Im Eingangsbereich des Hotels in der Schusterstraße gibt es eine kleine Brunnenanlage.

Mit den Entdeckungen innerhalb des Hauses ist es aber nicht getan. Zu einem Aufenthalt im „Oberkirch“ gehören auch Entdeckungen anderer Art.

Freiburg zeigt sich hier aus Perspektiven, die man sonst nicht kennt. Man kann ein Fenster öffnen – und die Geräusche des Münstermarktes dringen von außen herein, untermischt von Vogelstimmen … Die Dächerlandschaft der Altstadt – hier hat man sie direkt vor Augen und schaut über sie hinweg bis zum Schlossberg. Wo sonst sieht man eines der Freiburger Gässle von oben – wie eine kleine Schlucht? Oder das Dach des Historischen Kaufhauses aus solcher Nähe, dass man schier danach greifen kann? Es sind verblüffende Perspektiven!

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