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Historische Gasthäuser
Neudenau
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Anekdoten & Mehr

Die Zürnbande

Zu einer Zeit, als in Deutschland in vielen Häusern große Not herrschte, gab es in Neudenau eine Gruppe von Leuten, die, anstatt mit ehrlicher Arbeit das tägliche Brot zu verdienen, lieber durch Diebstahl und kleine Gaunereien ihren Lebensunterhalt bestritten. Man nannte sie nach ihrem Anführer die Zürn-Bande. Noch heute erzählt man sich viele Geschichten von ihrem nächtlichen Treiben, eine davon beginnt nach den Bildern...
Bild vergrößern Andere Liga als das Hausschwein: der Tanzbär (hier aus einer Schulbuch-Illustration von 1810)
Bild vergrößern Der Falken ist auch im Winter gemütlich und warm - aber bitte nicht den Wirt bescheissen...(s.u.)

Eines nachts, als einige Mitglieder der Zürn-Bande Appetit auf einen saftigen Braten verspürten, beschlossen sie, den hiesigen Falken-Wirt um ein fettes Schwein zu erleichtern.
Vorsichtig schlichen sie im Schutze der Dunkelheit zum Schweinestall, und in der Vorfreude auf das bevorstehende Festmahl lief manchem von ihnen schon das Wasser im Munde zusammen.
Der Mutigste von allen öffnete schließlich ganz leise die Tür zum Schweinekoben, um der fetten Beute habhaft zu werden. Doch statt leisem Schweinegegrunze erhob sich drinnen plötzlich ein HöIlenlärm. Tierisches Gebrüll und Geknurre wurden noch von Schmerzensschreien und dem
Wehklagen des Einbrechers übertönt. Dieser stürzte in panischer Angst Blut überströmt aus dem Schweinestall heraus und in
die Arme seiner Komplizen. Nun sahen sie erst, wie übel zugerichtet er war. Das konnte nicht das Werk eines harmlosen Schweines gewesen sein, hier war bestimmt der Leibhaftige am Werk! Kopflos ergriffen sie die Flucht.
Sie konnten ja nicht wissen, dass sich am späten Abend ein Bärentreiber in den Falken eingemietet hatte. In Ermangelung eines geeigneteren Quartiers für Meister Petz hatte er seinen Tanzbären in den Schweinestall gesteckt.


Wie man den Wirt bescheißt
Zu Zeiten, als Fallmanns Großvater Alois Frank Wirt im Falken war, gab es eine sogenannte "Elite"-Gruppe im Ort, die sich allerhand Streiche erlaubte. In der kälteren Jahreszeit ging man gerne ins Wirtshaus, da war es warm und gemütlich. Geld war knapp, aber man wollte sich doch vergnügen. So lockte einer der Gruppe den Wirt mit einem Vorwand aus dem Haus, zwei andere trugen unbemerkt einen Eimer mit eigenem Most ins Gasthaus und verbargen ihn unter dem Tisch. So konnte das leergewordene Glas mit dem eigenen, kostenlosen Most wieder aufgefüllt werden.

Neudenauer Zünfte

Was eine Zunft ist, erklärt der Duden so: Zusammenschluss von dasselbe Gewerbe treibenden Personen (besonders von selbstständigen Handwerkern und Kaufleuten) zur gegenseitigen Unterstützung, zur Wahrung gemeinsamer Interessen, zur Regelung der Ausbildung u. a.

In den Städten des Mittelalters schlossen sich also Handwerker des gleichen Gewerbes zusammen. Die Zünfte bestimmten die Arbeitszeit, die Preise und die Qualität der Waren. Es wurde festgelegt, wie viele Gesellen und Lehrlinge ein Meister haben durfte. Und nur ein Meister, der einer Zunft angeschlossen war, erhielt das Recht, in seiner Stadt sein Handwerk auszuüben. Die Zünfte erließen Vorschriften und Regeln, wie der Beruf auszuüben sei und kontrollierten dies genau.
Vereint in der Zunft konnten sie Einfluss auf die Stadtpolitik nehmen.
Neben den wirtschaftlichen widmeten sie sich auch den religiösen und sozialen Aufgaben. Sie pflegten das Brauchtum und kümmerten sich gegenseitig um das Wohlergehen. Es gab im Mittelalter noch kein staatliches Versorgungsnetz, die Zünfte halfen unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern oder übernahmen die Versorgung der Witwen.
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Bild vergrößern Links: der Neudenauer Zunftbaum, aufgestellt nahe der Jagstbrücke, im Mai 2000. Oben: im "Falken" steht ein würdiger Tisch für die Zünfte
Bild vergrößern Die handwerklich wunderschöne Zunftlade der Reichzunft ist mit zwei Schlössern gesichert
Bild vergrößern Das restaurierte Zunftbuch von 1741 mit Original-Einträgen

Beim Eintritt in eine Lehre wurde die Geburtsurkunde einbehalten, und nach Abschluss oder „Freisprechung“ der Gesellen wurde auch der Gesellenbrief in einer sogenannten Zunftlade aufbewahrt. Diese wurde in der Zunftherberge aufbewahrt. Ging ein Geselle auf Wanderschaft, bekam er nur Abschriften und das Wanderbüchlein mit auf den Weg, in welches lückenlos die Stationen und Termine der mindestens dreijährigen Wanderschaft samt Führungszeugnissen eingetragen werden mussten. Wollte ein Geselle die Meisterprüfung ablegen, war genau bestimmt, wie das Meisterstück auszusehen hatte.
Auf dem Land wurde das Handwerk erst nach dem 30jährigen Krieg organisiert. Auch in Neudenau gab es zusammen mit den Orten Herbolzheim und Stein fünf Zünfte, als älteste war bereits 1655 die Schuhmacherzunft gegründet worden. (Zunftbrief vom Kurfürst von Mainz wird noch in der Zunftlade aufbewahrt.) Weitere vier entstanden im Lauf von etwa 100 Jahren: Die Arme Zunft mit Webern und Schneidern, die Bauzunft mit Maurern, Zimmerleuten, Hafnern, Zieglern und Steinhauern, die Reiche Zunft mit Metzgern, Bäckern, Küfern, Müllern, Seilern, Rotgerbern und Sattlern und als letzte die Grobzunft mit den Meistern der Schmiede, Glaser, Schreiner, Schlosser, Wagner, Flaschner, Buchbinder und Dreher. Der Zunftzwang und dadurch auch die wirtschaftliche Macht der Zünfte wurde nach der Französischen Revolution auch in Deutschland eingeschränkt und 1863 die Gewerbefreiheit eingeführt. Nicht so jedoch in Neudenau. Sie bildeten kurzerhand freie Zünfte. Bis heute haben sich die Grobzunft, die vereinigte Bauzunft und die Reiche Zunft erhalten. Die Wahrung von Sitte, Ordnung und Standesehre als Leitbild wird immer noch gepflegt. Und wenn ein Zunftmitglied oder dessen Ehefrau stirbt, tragen die Zunftkollegen den Sarg als letzte soziale Aufgabe.
Die Zünfte haben eine gemeinsame Herberge. Seit 1980 ist es das Gasthaus ZUM FALKEN, in dem sich die Zünfte zum "Gebot" (etwa eine Hauptversammlung) treffen. Die wertvolle Zunftlade wird jedoch im Tresor der Volksbank aufbewahrt.
Heute übernehmen Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und das Sozialamt die ursprünglichen Aufgaben, die Pflege der Tradition ist geblieben.
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Bild vergrößern Seit die Zünfte 1980 im Falken einzogen (links) "lebt" das Gasthaus diese Tradition (Bild oben).