Startseite zum Kontaktformular zum Menü
Historische Gasthäuser
Insel Reichenau
Hotel garni Insel-Hof
Kontakt zum Gasthaus

Rolle in der Geschichte

Vom Pfarrhaus zum Hotel

Die ehemalige Pfarrkirche von Mittelzell, St. Johann, wurde von Abt Ekkehard 988 als Leutkirche erbaut.(die Kirche des Münsters war Bischof, Abt und Mönchen vorbehalten) Sie stand östlich vom Bibliothek-Gebäude, dort, wo sich heute der Friedhof befindet. Neben der Kirche war das Pfarrhaus, indem die Pfarrer wohnten und arbeiteten. Die Pfarrei wurde nach der Säkularisation um 1809 aufgehoben, die Kirche 1812 abgerissen. Das ehemalige Pfarrhaus St. Johann ist das heutige Hotel-Restaurant Insel Hof!
Bild vergrößern Wappen des berühmten Bischofs von Stauffenberg, herrliche Stuckarbeit des 18. Jhd. im Abtzimmer des "Insel-Hof".
Bild vergrößern Sensationsfund - das Predigtbuch von 1738, voller Heiligengeschichten und Predigten für den Jahreskreis; ferner...
Bild vergrößern "Geschicht = Bücheren... des Heil. Benedicti - Ordens..." mit dem
Bild vergrößern so genannten "Tetragrammaton" (siehe Links zu weiteren Informationen, unten)

Im Pfarrhaus befand sich ein besonders schönes Zimmer im ersten Stock für den Abt (siehe Kapitel "ENTDECKUNGEN IM GASTHAUS") mit Blick auf das Kloster. Die Stuckdecke im Abtzimmer stammt aus dem Jahr 1725 und zeigt in der unteren Hälfte des Mittelspiegels die Wappenscheibe des Konstanzer Bischofs Johann Franz Schenk von Stauffenberg. (Ein "Konstanzer" Bischof war übrigens auch für die Insel zuständig, da die Leitung des Klosters Reichenau bereits 1540 an Konstanz abgetreten wurde.)

Johann Franz Schenk von Stauffenberg wurde am 18. Februar 1658 in Lautlingen (heute Stadtteil von Albstadt) geboren.
Seit 1694 war er Koadjutor (Bischofsstellvertreter mit dem Recht der Nachfolge im Falle der Sedisvakanz) des Konstanzer Bischofs Marquard Rudolf von Rodt. Bischof von Rodt verstarb am 10. Juni 1704, und am 21. Juli 1704 wurde Stauffenberg zum Bischof von Konstanz gewählt. Das Bistum Konstanz war damals das flächenmäßig größte und der Bischof zudem weltlicher Herrscher über das flächenmäßig kleinere Gebiet des Hochstifts Konstanz.
1737 wurde Stauffenberg außerdem Bischof von Augsburg. Er starb am 12. Juni 1740.

Das ehemalige Pfarrhaus wurde später verkauft. (siehe Kapitel "DAS GASTHAUS"), in eine Metzgerei mit Fremdenzimmern und Imbiss und dann in ein Hotel umgebaut.

DAS PREDIGTBUCH
In der Wandnische wurde später hinter einem Schrank das Predigtbuch aus dem Jahr 1738 gefunden, das Geschichten von Heiligen enthält. Es diente den Pfarrern vermutlich zur Vorbereitung der Gottesdienste.
Bild vergrößern Professor Dr. Gideon Spicker, Religionsphilosoph - berühmtester Nachkomme der Familie Spicker (weitere Informationen s. Link unten)
Bild vergrößern Oben: Impression aus dem Historischen Abtzimmer (ideal für kleinere Gruppen!); lesen Sie dazu bitte das Kapitel "Entdeckungen im Gasthaus"!

Das Abtzimmer

Die Stuckdecke im Abtzimmer im ersten Stock stammt aus dem Jahr 1725. Bei einem Umbau 1951 wurde das Haus nach Westen verlängert, so dass das ehemalige Eckzimmer heute in der Gebäudemitte liegt. Das Fenster der ehemaligen Außenseite wurde zugemauert, eine Wandnische blieb zurück. Die beiden Fensteröffnungen der Nordseite mit flachem Stichbogen sind erhalten.

Bei der Stuckdecke handelt es sich nach Angaben des Restaurators Robert Lung um feinen, stilisierten Antragstuck, halbplastisch und aus Rücksicht auf die Raumhöhe nur wenig erhaben. Sie besteht aus einer umlaufenden Rahmenleiste, die in drei Ecken durch Ornamente in Form stilisierter Blätterranken, die sich aus Bandelwerk entwickeln, unterbrochen ist.
In der unteren Hälfte des Mittelspiegels befindet sich die Wappenscheibe des Bischofs Johann Franz Schenk von Stauffenberg, seit 1704 Bischof von Konstanz (die Leitung des Klosters Reichenau wurde 1540 an Konstanz abgetreten.), die von einem Mitra tragenden Putte-Köpfchen und dem gekreuzten Bischofsstab und Schwert bekrönt ist. Darüber, in der Quermittelachse, nimmt ein großzügiges Christus-Monogramm (IHS) aus stilisierten Blätterranken und Bandelwerk breiten Raum ein. Die obere Hälfte des Mittelspiegels füllt ein Kreuz, das sich aus dem Monogramm heraus fortsetzt.

Das Abtzimmer kann für Veranstaltungen und Feiern gemietet werden.


DIE REICHENAUER BÜRGERWEHR
Die historische Bürgerwehr ist schon bald 900 Jahre alt, sie ist aus wehrähnlichen Verbänden gewachsen. Ihnen war der Schutz der Bürger übertragen, denn es gab damals noch keine Polizei wie heute. Im Jahre 1108 bestätigte ein Vertreter von Papst Paschalis II., ein Kardinal Divizo, dass die auf der Reichenau wohnenden Männer den Auftrag haben, das Kloster und die Einwohner vor Angriffen von außen mit der Waffe zu schützen und auf der Insel für Ordnung zu sorgen. Es gibt noch weitere urkundliche Nachweise aus dem 15. Jahrhundert, wonach sich die Bürger der Reichenau auf eigene Faust militärisch organisiert hatten. Der Abt wollte, dass die von den Bürgern gewählten Hauptleute abgesetzt und ohne Wissen des Abtes nicht neu eingesetzt werden durften. In der Feuerwehrordnung des Klosters, vom Abt zwischen 1530 und 1540 erlassen, wurde festgelegt, dass sich jeder Bürger im Brandfall mit Gewehr beim Hauptmann auf der Ergat einzufinden habe.

Da im Krieg mit Frankreich 1798 -1800 die Wehr wohl als gefährliche Kampftruppe angesehen wurde, mussten sämtliche Gewehre ins Zeughaus nach Meersburg abgeliefert werden.
In einer Reglementierung vor dieser Zeit wurde festgelegt, dass jeder Reichenauer Bürger bei seiner Verheiratung die Pflicht hatte, der Bürgerwehr eine „Flinte“ zu stellen. Als die Zahl der benötigten Flinten erreicht war, musste jeder verheiratete Bürger jährlich 5 Gulden in eine Flintenkasse einzahlen. Diese Stiftung von 1770 besteht heute noch als Sondervermögen der Gemeindekasse. Nachdem das Kapital von 800 Gulden erreicht war, konnten die Gewehre aus den Zinsen unterhalten werden. Als die Zinsen zur Finanzierung der Ausrüstung reichten, wurde beschlossen, den Zinsenrest zur Armenunterstützung zu verwenden.

Während der Biedermeierzeit bildeten sich im Land zahlreiche Bürgerwehren und Milizen in unterschiedlich schmucken und bunten Uniformen. Sie rekrutierten sich zunächst durch Freiwillige zum Schutz der Bürger vor dunklen Elementen, versahen Feuerwehrdienst und Streifengänge, hielten Wache an Brücken und Stadttoren, verhinderten Übergriffe von plündernden Soldaten, kurz, sie sorgten für Ruhe und Ordnung. Insbesondere beteiligten sie sich auch an kirchlichen Prozessionen.
Das badische Konstitutsedikt hat am 18.3.1807 sogar die Errichtung von Bürgerwehren und Milizen befohlen. Eine weitere badische Regierungsverordnung besagte, dass in den badischen Städten die Streifenkommandos den Bürgerwehren zu übertragen sind und dass alle Bürger Zivildienst zu leisten haben.

(…)
Im Oktober 1830 bestanden im Land an 87 Orten Bürgerwehren mit zusammen 6388 Mann, davon im Kreis Konstanz an 32 Orten, wobei die Reichenau mit 40 Mann Infanterie vermerkt ist.
Vermutlich ist die Reichenauer Bürgerwehr als eine der ältesten im Land als Beispiel für andere Bürgerwehren zu sehen.
Am 1.4.1848 erließ die badische Regierung ein weiteres Gesetz zur Errichtung von Bürgerwehren, nach welchem alle Bürger bis zum 30. Lebensjahr dienstpflichtig waren.
Der letzte „Kriegseinsatz“ erfolgte bei der Revolution im Jahre 1849, als die Reste der badischen Revolutionsarmee von Radolfzell kommend über den Damm zur Insel wollten. Es wurde berichtet, dass die Reichenauer mit ihren Gewehren, aber auch mit Sensen, Gabeln und Äxten zum Bruckgraben eilten, und ihn eilends abbrachen (er bestand vermutlich noch aus Holz). Als die Truppen Widerstand spürten, zogen die Reste der Armee nach Konstanz ab, um über die Grenze in die Schweiz zu flüchten.

Bis 1870 wurde die „Österreichische Uniform“ in den österreichischen Landesfarben rot/weiß getragen mit dem Wappen der Reichenau auf dem Tschako (Kopfbedeckung). (...)
1881 erhielt die Bürgerwehr neue Statuten und erreichte zusammen mit der Musik 54 Mann. Diese Statuten besagten, dass der Zweck der Wehr sei, die weltlichen und kirchlichen Feste der Insel durch Paraden zu verherrlichen und dass den Mitgliedern und Veteranen aus den Kriegen eine ehrenvolle Bestattung zuteil werden soll.

Ausgerückt wird in der Regel an den folgenden Festtagen:
25.April, zum Fest des heiligen Evangelisten Markus,
am „Heilig Blutfest“, immer am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag,
an Fronleichnam,
am 15. August, Maria Himmelfahrt

Zur 1200-Jahrfeier der Klostergründung 1924 wurde die Wehr neu erstellt und rückte erstmals wieder in „österreichischen Uniformen“ aus. Weil der Gebrauch der angerosteten Gewehre zu gefährlich war, wurde ab 1924 nicht mehr geschossen.
Bedingt durch den letzten Weltkrieg wurde die Tradition 1941 unterbrochen. Nach Kriegsende 1945 gingen die meisten Uniformen und Ausrüsungsstücke verloren. Erst 1950 sollte die Wehr wiederaufleben, 1952 erfolgte die Neueinkleidung rechtzeitig zum Hl. Blutfest.

Die Bürgerwehr Reichenau verschönt mit ihrem Auftreten weltliche und ganz besonders die kirchlichen Inselfeste. Sie hat sich dem Leitspruch verpflichtet:
„Vom guten Alten, das Beste erhalten, die Heimat hegen, Kameradschaft pflegen, den Herrgott ehren – das ist das Ziel der Bürgerwehren.“

(Auszug aus einer Schrift von Josef Blum, ehemal. Oberleutnant der Bürgerwehr)

Unsere Wirtin Frau Ott-Penzkofer hat in ihrem Gasthaus Puppen mit der Uniform der Bürgerwehr ausgestellt. Sie selbst ist Mitglied der Trachtengruppe Reichenau, die zusammen mit der Bürgerwehr auf den Festen zu sehen ist.
Bild vergrößern Puppen der Reichenauer Bürgerwehr
Bild vergrößern Bürgerwehr bei der Prozession

Bilder

aus einem Prospekt des Inselhofs von
aus einem Prospekt des Inselhofs, ganz rechts ist noch die Metzgerei zu sehen
ca. 1955
Das Schaufenster der Metzgerei
das Kaminzimmer in früherer Zeit
Bild von der früheren Kirche St. Johann
das Bild mit der Ankunft Pirmins auf der Insel
So beförderte man früher Autos auf die Reichenau
So mühsam war es oft, Heu und Stroh vom Festland auf die Insel über den Damm zu bringen