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Das Münster St. Maria und Markus

Das zum Reichenauer Kloster gehörende Münster St. Maria und Markus, das schon vom Abt Pirmin als einfache Holzkirche erbaut wurde, ist mehrfach umgebaut und erweitert worden. Machen Sie sich selbst einen Eindruck, es gibt spezielle Münsterführungen des Mesners Manfred Müller, der sich mit dem Gebäude, der Geschichte und Kunstgeschichte bestens auskennt.

Gustav Schwab* sagt:"...und wenn der Wanderer in die graue Münsterkirche eintritt, so erzählen ihm die hallenden Tritte von Königsgräbern, von frommen Verbreitern des Christenthums, von Tempelhütern der Wissenschaft und der Geisteskultur lange und dunkle Jahrhunderte hindurch. Jetzt wird ihm dieses lachende Eiland erst ernster und bedeutsamer, und mit Rührung verweilt er auf der verlassenen Stätte der Frömmigkeit und Kultur unsrer Ahnen..."

*) Der Bodensee nebst dem Rheinthale v. Gustav Schwab, 1840
Bild vergrößern Das Münster von Norden gesehen, davor der Kräutergarten des Walahfrid Strabo
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Bild vergrößern Die Klosterkirche auf einem Stich aus dem 19. Jahrhundert
Bild vergrößern Der Münsterturm ist -anders als auf dem Festland üblich- nicht immer gleich zu sehen

Reichenauer Kunstwerke

Berühmt ist das Reichenauer Kloster auch für seine Bibliothek. Abt Waldo gilt als Begründer der Klosterschule und Bibliothek, die innerhalb des Inselklosters die wichtigste wissenschaftliche Einrichtung war. Schon um 820 umfasste der Buchbestand etwa 400 Bände. Die Benediktiner-Abtei besaß im 10. und 11. Jahrhundert das wohl größte Skriptorium und die einflussreichste Malschule Europas. In der Hauptblütezeit zwischen 970 und 1020 produzierte das Kloster nicht nur für den Eigenbedarf, sondern arbeitete auch im Auftrag von Königen, Kaisern, Päpsten und Reichsbischöfen. So wurden eine Reihe meist liturgischer Prachthandschriften erstellt.
Im deutschen Sprachbereich waren Klöster wie St. Gallen, Reichenau, Fulda usw. die Mittelpunkte gelehrter Bildung. Die Abschriften von Büchern wurden in den Schreibstuben des Klosters, den sog. Skriptorien, angefertigt. Die Mönche mussten unter strengem Stillschweigen und unter Aufsicht eines Bibliothekars arbeiten. Auch durch Schulung von Schreibern hat die Werkstatt weit über Reichenau hinaus gewirkt. Das Fertigen von Abschriften war eine schwere Arbeit. Ein anonymer Schreiber ermahnt den Leser: „O glücklichster Leser, wasche deine Hände und fasse so das Buch an, drehe die Blätter sanft, halte die Finger weit ab von den Buchstaben. Der, der nicht weiß zu schreiben, glaubt nicht, dass dies eine Arbeit sei. O wie schwer ist das Schreiben: es trübt die Augen, quetscht die Nieren und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, der ganze Körper leidet...“

Die Prachtwerke der sog. „Liuthargruppe“ des Klosters Reichenau sind mit die hervorragendsten Werke der Buchmalerei. Hier entstand ein ganz eigenständiger Stil. Das „Evangeliar Ottos III“ (Aachen) stellt alle Bilder auf Goldgrund dar – eine epochale Neuerung in der abendländischen Buchmalerei. Einige der Prachthandschriften wie diese gaben die Herrscher selbst in Auftrag und schenkten sie dann Klöstern oder Domstiften. Diese Codices tragen das Bild des Stifters, der sich damit das ewige Heil erbat. So gelten insbesondere die Kaiserbilder, die den liturgischen Handschriften vorangestellt sind, als Geschichtsquellen ersten Ranges und natürlich als Kunstwerke.
Zehn der bedeutendsten mittelalterlichen Handschriften der Reichenau wurden 2003 in die Liste des „Memory of the world“ der UNESCO aufgenommen.
Leider können diese reichhaltigen und wertvollen Kunstwerke nicht im Original auf der Reichenau bewundert werden, sie sind über viele Orte verteilt: in Aachen, Bamberg, München, Paris, Trier, um nur einige zu nennen. Im Museum Reichenau können sie jedoch als Faksimile oder am Computer bewundert werden.
Bild vergrößern Schreibende Mönche, Evangelistar Heinrich III., Mitte 11. Jahrh., Staats- u. Universitätsbibliothek Bremen
Bild vergrößern Kaiser Otto III., Evangeliar Otto III., um 1000, Bayerische Staatsbibliothek München