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Anekdoten & Mehr

Rappemer Gschichte

...aus dem Nachlass von Fritz J. Linder

Bad Rappenau lag am „Dreiländereck“
In früher Zeit markierten Grenzsteine, Schlagbäume und Wappenpfähle die Territorien der deutschen Grafschaften, Fürstentümer und Königreiche. Die alten Rappenauer wurden wegen der nahen württembergischen Grenze oft „Dachtraufenschwaben“ genannt. Und der Nachbarort Bad Wimpfen war eine hessische Exklave, wodurch sich vielleicht der für Badener etwas fremd klingende Dialekt erklären lässt.

Alt-Rappenauer Sprüche

Sehr oft führt der Rappenauer den alten Till Eulenspiegel ins Treffen, wenn es gilt, einen passenden Vergleich zu ziehen. Ist jemand durch einen plötzlichen Regenschauer durchnässt worden, zitiert er: „Wu de Eileschbiggl em Rege under eme Grashalm ghockt isch hotter gsaat: Wann i schun sou nass werr, was misse die erscht nass werre, die unterm freie Himml sen.“
Das Wort „Batts nix, so schads nix“ wird immer dann zitiert, wenn man zum Ausdruck bringen will, dass es nicht so sehr darauf ankommt. Dabei ist „batten“ im allgemeinen kein verständlicher Begriff mehr. Man sagt aber auch, wenn nach einer Hochzeit bald Zuwachs sich einstellt: „Bei denne hotts awwer schnell gebatt!“ Wenn irgend etwas nicht hält was es verspricht, also nichts taugt, dann kann man hören: „Des batt sei Lewedag (Lebtag) nix.“
Trägt jemand eine etwas ausgefallene Nase im Gesicht, dann findet er das tröstliche Wort „En scheener Giwwl (Giebel) ziert e ganz Haus.“
Etwas weniger drastisch parodiert der Rappenauer das bekannte Zitat des Götz von Berlichingen. Entweder „Jo, rutsch mer de Buckl nunder“, „Steig mer de Buckl nuff“ oder „Du kannsch mi emol.... em Adler treffe“.
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Bild vergrößern Szenen beim "Adler" zwischen 1920 + 1940 (Bilder: Archiv Braun)

Wie der Großvater die Ziegen melkte

Als der Großvater frisch verheiratet war und noch kein Großvieh im Stall stand, sondern nur zwei Ziegen, da musste die Großmutter eines schönen Tages auf eine Besorgung auswärts fahren. Zwei Dinge musste der zurückbleibende Gemahl seiner Frau versprechen:
1. rechtzeitig die Geißen zu melken und
2. nicht zu vergessen, sein Fraule an der Bahn abzuholen.
Ja, wenn das mit den Geißen so eine einfache Sache gewesen wäre, dann wären die Geißen wohl gemolken und Großvater auch rechtzeitig an der Bahn gewesen. Die aber waren störrig wie noch nie, stutzten und ließen sich keinesfalls von ihm melken, wie er es auch anstellte. Da kam Großvater die rettende Idee. Er zog sich einen Rock seiner jungen Frau an und band sich ihr Kopftuch um. Und siehe da, die Geißen hielten plötzlich still und ließen sich melken. Bis das aber alles geschafft war, war viel Zeit vergangen und dem Großvater fuhr ein Schreck durch die Glieder, als er bereits das Signal des zurückkehrenden Zuges vernahm. Er ließ die Ziegenmilch unausgeleert auf dem Tisch stehen und rannte zur Bahn... Merkwürdig, was die Leute heute alles zu lachen hatten... Erst am Bahnhof wurde ihm bewusst, dass er ja noch immer in dem Frauenrock und in dem Kopftuch steckte. Seine Frau schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als sie ihn so stehen sah und Großvater hat nie mehr im Leben Ziegen gemolken.
  • Die Rappemer Wolfsstecher, eine Geschichte von F. J. Linder, im Dialekt vorgelesen von Erich Proisl

Sole und Saline

Im Neckarraum zwischen Heilbronn und Mosbach traten schon seit jeher salzige Quellen frei an die Oberfläche und es bildeten sich Salzsümpfe. In Rappenau beantragte der Dürkheimer Salinendirektor Georg Christian Heinrich Rosentritt 1821 die Genehmigung, nach Salz zu bohren. Erfolgreiche Bohrungen im Jahr 1823 in eine Tiefe von ca.190 Metern veranlassten ihn, gemeinsam mit Friedrich Arnold und dem Direktor des Finanzministeriums eine Denkschrift zu verfassen, welche die Bedingungen beschrieben, wie man in Rappenau Salz gewinnen kann. Es könnten bis Ende des Jahres 4.000 Tonnen Salz geliefert werden. Dies veranlasste die badische Regierung, das Bohrloch zu übernehmen und Rosentritt zum Salinendirektor zu machen. Noch 1823 wurde ein weiteres Bohrloch in eine Tiefe von 183,40 Metern getrieben und ein Probesud durchgeführt. Die ersten Gebäude waren nur provisorischer Natur, aber bis 1826 erfolgte ein weitreichender Ausbau der Rappenauer Saline, die in diesem Jahr schon 6.000 Tonnen Salz aus fünf Siedepfannen lieferte. Die Saline bedeutete für den Ort einen großen Aufschwung durch neue Arbeitsplätze.
Bild vergrößern Das Gradierwerk, ein Freiluft-Inhalatorium. Über ein Holzgerüst rieselt die Sole, die die Luft in der Nähe mit Salz anreichert. Dies wirkt sich wie Seeluft positiv auf die Atemwege aus.
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Bild vergrößern Historischer Bohrturm und Bohrwerkmagazin im Einsiedelwald

Es siedelten sich auch Apotheker und Ärzte an, die ab 1830 die Sole zu Kurzwecken nutzten, worauf sich die heutige Bedeutung der Stadt als Heilbad gründet.

Schon 1834 wurde das Sophienbad (benannt nach der Schirmherrin Großherzogin Sophie von Baden) eröffnet, in dem die Rappenauer Sole zu Heilzwecken genutzt wurde. 1845 entstand ein Salinen-Solbad, später kam ein Dampfbad hinzu und ab 1886 wurden Sole-Inhalationen angeboten.
Ein Mannheimer Diakonissenhaus eröffnete 1887 für erholungsbedürftige Stadtkinder ein Kinderkurhaus.Der Heidelberger Professor Vulpius eröffnete 1912 ein Sanatorium mit 120 Betten zur Behandlung von Knochen- und Drüsenleiden. 1921 wurden in Rappenau schon über 80.000 Übernachtungen gezählt, aber erst 1930 erhielt der Ort die Genehmigung, sich BAD Rappenau zu nennen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs der Kurbetrieb stark an. Die Bäder wurden modernisiert und erweitert, so dass ab 1970 vier Spezialkliniken bestanden. 1972/73 wurde die Saline stillgelegt, die meisten Gebäude abgerissen und ein Kurpark auf dem Gelände angelegt. Die Stadt Bad Rappenau erwarb später die Konzession, aus den verbliebenen Bohrlöchern weiterhin Sole für die Heilbäder zu fördern.
1977 wurde die Kur- und Klinikverwaltung gegründet und unter ihrem Dach arbeiten heute fünf Kureinrichtungen zusammen und bilden ein Kompetenzzentrum für medizinische Rehabilitation und Prävention.

Für alle, die sich selbst etwas Gutes tun wollen, gibt es das Sole- und Saunaparadies „RappSoDie“ mit Salzgrotte. Für Besucher, die z. B. im ADLER zwei Nächte bleiben und die Kurtaxe bezahlen, ist der Eintritt zu den Solebädern frei, für das Saunaparadies muss extra bezahlt werden.
Bild vergrößern Die Kinderkur
Bild vergrößern Das ehemalige Direktionsgebäude im Salinenpark