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Anekdoten & Mehr

Kuhhaut und Froschlehen

Unter den faszinierenden Fresken der St. Georgs Kirche ragt eine Malerei aus dem 14. Jahrhundert besonders heraus. Zu sehen ist eine große, gespannte Kuhhaut, die von vier Teufeln gehalten wird. Ein weiterer Teufel sitzt auf dem Pergament und schreibt das sündige und „tumbe“ Geschwätz der Leute in der Kirche auf, damit es vor den Richter gebracht werde.
Obwohl eigentlich kein weiteres Wort mehr auf die Kuhhaut (in Natura ca. 4 qm) passt, schwatzen die Leute munter weiter. Daher die Redensart, „das geht auf keine Kuhhaut“, wenn von hanebüchenem, nicht enden wollenden, "Geschwätz" die Rede ist.

Diese symbolhafte volksnahe Darstellung ist die faszinierende Allegorie einer menschlichen Schwäche in Bildsprache. Alle, auch wir heutigen Betrachter, dürfen sich -durchaus moralisch- angesprochen fühlen und "in sich gehen". Gerade dieser Bezug zum allgemein Menschlichen macht die Bilderbotschaften unserer alten Kirchen so zeitlos.
Bild vergrößern Wird zu viel "dummes Zeug" gequasselt ...
Bild vergrößern Über Allem wacht der Namenspatron, St. Georg, im Schlußstein des Vierungsgewölbes; Foto: Landesdenkmalamt Baden-Württemberg
Bild vergrößern ... ist der Teufel nicht weit
Bild vergrößern Das Badische Sagenbuch berichtet vom Reichenauer "Froschlehen" (es war das Gut "Rosenstauden" mit Umgebung auf der nördlichen Inselseite).

DAS FROSCHLEHEN

Eine weitere Episode, die mit "Tierischem" zu tun hat erzählt das "Badische Sagenbuch" von 1898.
Wenn vornehmer Besuch auf der Insel weilte gab es eine ganz besondere durchaus hochoffizielle Dienstpflicht:

"Um das Schlafen den hohen Gästen recht ungestört möglich zu machen, musste der Lehensmann vom sogenannten Froschlehen, so oft das Kloster es verlangte, nachts den quakenden Fröschen am Seeufer mit langen Stangen auf die Köpfe schlagen. Seinem Auftrage musste der Lehensmann zufolge Leheneid entsprechen; das Lehen selbst bestand bis auf die neueste Zeit.... Nach Aufhebung des Klosters wurde das Lehen in eine jährliche Abgabe von sechs Gulden umgewandelt und zuletzt im Jahre 1830 vollends abgelöst."

St. Georg, ein mittelalterliches Gesamtkunstwerk

Die Wandmalereien im Langhaus der Oberzeller Georgskirche sind weltberühmt. Sie zeigen insgesamt acht Wunder aus dem neuen Testament. An der Südwand sind die Totenerweckungen und die Heilung des Aussätzigen dargestellt. Die Nordwand zeigt wie Jesus Kranke heilt (Irrsinn, Wassersucht, Blindheit…).

Die Reichenauer Künstler – Mönche trugen übrigens die Farben mittels einer Mischtechnik auf und benutzten dazu Erdfarben. Beispielsweise die Kupferoxyde Azurit für Blau und Malachit für Grün. Den Farben wurden Kalk und Proteine (Milcheiweiß) als Bindemittel beigemengt.

Die Malereien haben einen starken Bezug zur ebenfalls weltberühmten Reichenauer Buchmalkunst (siehe dazu auch unter „Tipps und Touren“), welcher ihrerseits wiederum die oberitalienische Illustrationskunst des sechsten Jahrhunderts zu Grunde liegt.
Die Abtei wurde schließlich durch ihre Bilderzyklen, beispielsweise zum neuen Testament (besonders eindrücklich: die Apokalypse), berühmt. Die Künstler - Mönche arbeiteten jedoch überwiegend nicht für den Eigenbedarf und so sind die noch erhaltenen Handschriften heute in vielen Bibliotheken verstreut.
Bild vergrößern Jesus erweckt einen Toten
Bild vergrößern Eindrücke tiefgläubigen Kunstschaffens und künstlerischer Harmonie erhalten Besucher von St. Georg innen (Malereien) und außen (Architektur)
Bild vergrößern Das Langhaus mit den Wunder - Zyklen
Bild vergrößern Erheiternde Marginalie: der Drachen welcher vom Kirchenpatron besiegt wird (Standbild im Seitenschiff)

Einzigartige Fotodokumente des Insellebens

Seit den 1920er Jahren hielt der fotografische Autodidakt Theodor Keller das Leben auf "seiner" Reichenau fest. Er entwickelte und vergrößerte seine Aufnahmen selbst und schuf mit einer gewaltigen Produktivität herausragende Zeitdokumente die uns Heutigen das Leben vor rund 100 Jahren nachvollziehbar machen.

Wir hoffen demnächst an dieser Stelle eine pdf über den Ausnahmefotografen Theodor Keller und einen Querschnitt seiner Werke zur Verfügung stellen zu können.
Bild vergrößern Einige Seiten dieses "Führer durch die Insel Reichenau" aus der Zeit um 1910 können Sie weiter unten DOWNLOADEN
Bild vergrößern Theodor Keller als Dreissigjähriger