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Historische Gasthäuser
Insel Reichenau
Hotel Restaurant Kreuz Reichenau
Kontakt zum Gasthaus

Rolle in der Geschichte

Wiege der abendländischen Kultur

Bei „Historische Gasthäuser in Baden“ wird immer auch der Kontext des einzelnen Traditionshauses betrachtet. Im Folgenden daher einige kurze Sätze zur hohen Bedeutung der Reichenau, die diese ungewöhnliche Insel für die Welt des Mittelalters hatte.

Der (wahrscheinlich irofränkische) Wanderbischof Pirmin gründete 724 das Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau. Besonders in der Zeit der Karolinger und Ottonen erlebte das Kloster seine Blütezeit. In den ersten Jahrhunderten wetteiferten Könige und Kaiser mit ihren Schenkungen an das Inselkloster und legten die Grundlage für unermesslichen Grundbesitz. Heute noch geht die Sage, wenn der Reichenauer Abt nach Rom reiste, hätte er jede Nacht auf eigenem Grund und Boden verbringen können (das Kloster hatte beispielsweise bedeutende Besitzungen am Comer See in Italien).
Bild vergrößern Abt Waldo übergibt Kaiser Karl dem Großen verschiedene Reliquien - Ölbild aus dem 18. Jahrhundert im Münster Reichenau-Mittelzell
Bild vergrößern Die Insel in einer Darstellung Ende des 17. Jahrhunderts, also in etwa der Zeit des Rittertums von Schmiedsfelds (sein Herrensitz wurde das heutige Gasthaus Kreuz)
Bild vergrößern Die Spitze des Kugelschreibers zeigt auf dieser Karte von 1707 den eingezäunten Herrensitz (das heutige "Kreuz")
Bild vergrößern Auf der kolorierten Variante ist das Gebäude etwas schwerer zu erkennen (siehe Nadelspitze)

Das Kloster Reichenau war eine der ausgewählten Reichsabteien, die zur bedeutenden Lehrstätte Europas wurde. Egal, ob Kunst, Geschichtsschreibung oder Agrikultur – Reichenauer Gelehrte brachten es zur Meisterschaft. Die Reichenauer Schreibschule und Bildungsstätte wäre heutzutage eine Elite – Uni.
Über die beiden Insel - Genies Walafried Strabo und Hermann den Lahmen sollten Sie sich unbedingt noch informieren – uns reicht hier der Platz leider nicht.
Fakt ist, diese Klosterinsel war ein religiöses und kulturelles Zentrum Europas.

Die historischen Wurzeln des "Kreuz"

Selbst nachdem das Goldene Zeitalter vorbei war (also ca. ab dem Jahre 1000) galt das Inselkloster noch als bedeutende Institution. Und ein „Rittergut“ auf der Reichenau war auch rund ein halbes Jahrhundert später noch etwas ganz besonderes … vor allem, wenn das heutige GASTHAUS KREUZ daraus hervorging!

L. Braumann – Honsell hält im Schlüsselwerk „Die Kultur der Abtei Reichenau“ Folgendes fest:
„Das Gewann Zellele (Anm. d. Verfassers: das „Kreuz“ hat die Anschrift „Zelleleweg 4“) südöstlich der St. Georgskirche trägt wohl von einem abgegangenen Kapellenbau den Namen. Dicht dabei befindet sich der ehemalige „v. Schmiedsfeldsche Hof“, seit 1831 in Reichenauer Bürgerbesitz, heute Gasthaus zum Kreuz in Oberzell, ein massiver Bau mit Umfassungsmauern, der sich noch immer als alter Herrensitz verrät.“
Zur Beschreibung von Baumann – Honsell am besten nochmal die beiden Kartenausschnitte oben betrachten. Das Kreuz ist das umzäunte Gebäude, der frühere Herrensitz, auf der gegenüber liegenden Straßenseite steht das ehemalige Ökonomiegebäude (ebenfalls bis auf den heutigen Tag).

Der Reichenauer Karl Beck vom katholischen Bildungswerk (früherer Kreis- und Reichenauer Gemeinderat) hat einige Forschungen zum Geschlecht derer von Schmiedsfelden angestellt. Er fand heraus, dass möglicherweise ein Schmid von Schmiedsfelden, der 1720 zum Ritter geschlagen wurde, vom Kloster St. Blasien mit der Besitzung auf der Reichenau, die später seinen Namen trug, belohnt wurde. Eine sehr interessante und logische Variante.
Bild vergrößern Die Hauptstrasse führte noch bis ins 20. Jahrhundert direkt am Gasthof Kreuz vorbei, wie auf dieser Ansichtskarte aus den 1930er Jahren zu sehen ist.
Bild vergrößern Konrad Gasser (im Bild rechts, neben Seniorwirt Manfred Prinz) wurde 1923 geboren und weiss eine Menge aus früheren Zeiten zu berichten, in denen es im Kreuz auch "hoch her ging". Hier unten finden Sie den Link zum VIDEOCLIP mit seinen Erinnerungen.

Butzenscheiben die Reichenauer Geschichte erzählen...

... fallen aufmerksamen Gästen bereits vor Betreten der Gasträume auf.

Direkt neben den oberen Stufen zur Gaststube hin erfreut das "Blumenfenster" mit pastellfarben gehaltenen und naturalistisch gestalteten Abbildungen verschiedener Blumen.

Wer zuvor das Gasthaus bereits von außen inspiziert, erkennt an der östlichen Außenwand unschwer ein großes Fenster, das sich erkerartig von der Fassade abhebt. Das "Reichenau - Fenster".
Nach Betreten der Gasträume ist es gleich linker Hand zu sehen und beeindruckt schon durch seine schiere Größe. Auch hier gefallen die Farben, die teilweise kräftiger ausfallen als bei den floralen Motiven, das Rot der Bürgerwehruniform beispielsweise leuchtet förmlich.

Die fließenden Formen dieser künstlerischen Fenstergestaltung sind ebenfalls gut gelungen und das ganze Werk legt ein gutes Zeugnis für die ausführende Firma Dierig aus Überlingen ab.
Die Fenster wurden 1975 eingebaut.
Bild vergrößern Das "Reichenauer Fenster" in seiner vollen Pracht.
Bild vergrößern Auch hier ist der "gute Nachbar", St. Georg, anzutreffen.
Bild vergrößern Beinahe schon eine optische Spielerei: die Fensterkunst zeigt, was dahinter zu sehen ist: das typische Reichenauer Bild von Feldern und Gewächshäusern.
Bild vergrößern Das "Reichenauer Fenster" von außen

Ein Autodidakt

Interessante Bilder, alle mit regionalem Bezug, schmücken die Gasträume des „Kreuz“.

Darunter auch Werke von Walter Hangarter. Sein lebendiger eigenwilliger Stil, der ein wenig den „Hauch der 1960er“ verströmt, ist unverkennbar. Seine Landschaftsmotive erfassen das „Wesen“ der Region und sind in ihrer Wirkung „großräumig“. Selbst wenn es sich, wie bei dem hier gezeigten Bild (unten links), um ein kleineres Format handelt.
Hangarter beschreiben Zeitgenossen als lebenszugewandten Menschen. „Er war kein Kind von Traurigkeit“ weiß Altwirt Manfred Prinz zu berichten. „…un immer e Zigarr im Muul“ ergänzt Gerda Prinz.

Wer heut nach Werken von Hangarter sucht stellt fest, dass der Künstler seinen Platz im Olymp der regionalen Künstler gefunden hat. Auch der Preis zeigt die Wertschätzung für seine Werke (siehe Link weiter unten). Es ist auch ein Buch über den Künstler erschienen: „Schilf und Stahl. Auf den Spuren des Bodenseemalers Walter Hangarter“.
Bild vergrößern Im Hintergrund dieser Riedlandschaft von Walter Hangarter ist der pappelgesäumte Damm zur Reichenau erkennbar.
Bild vergrößern Walter Hangarter bei einer Feier im "Kreuz"

Bilder

Historische Ansichtskarten, hier um 1958 ...
Die älteste bis dato bekannte Fotografie zeigt das Gasthaus Kreuz im Jahr 1925
... 1963
... und 1968
Nebenzimmer 1959 - Bild von Theodor Keller (zu Keller siehe unter WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN)
Weitere Bilder der Gasträume in den 1960er Jahren...
... die berühmten Zegotische (siehe Texte DIE WIRTSLEUTE)
Prospekt der Jahre 1959 ...
... 1960
Rechnung 1958
... und 1963 (ausgestellt von Gerda Prinz)
Ansichtskarte 1975
... und noch einmal klassisches 1970er Layout
Ansicht um 1875 vom schweizer Ufer bei Ermatingen. St. Georg und die Ruine Schopfeln, damals noch auf einer Insel, sind zu sehen Bild: Rosgartenmuseum, Konstanz
Diese Ansicht datiert vor 1800 - im Vordergrund links Schloß Hegne, rechts Allensbach
Fischerhäuser am Südufer der Reichenau in den 1920er Jahren