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Anekdoten & Mehr

Was geschah mit der Geiß?

In früheren Zeiten, als das bäuerliche Überleben von einer guten Ernte abhängig war, wurden althergebrachte Rituale, Symbole und (heidnische) Bräuche eingesetzt, um den Naturverlauf positiv zu beeinflussen. Oft handelte es sich auch um (versteckte) Fruchtbarkeitsrituale.

Dabei spielten symbolische Handlungen (Sympathie – Magie) aber auch bestimmte Tiere eine wichtige Rolle.

Die Ziege (im Dialekt „Geiß“) ist zusammen mit dem Schaf wahrscheinlich das erste wirtschaftlich genutzte Haustier. In der griechischen (Pan) und germanischen Mythologie stand die Ziege immer auch in Bezug zur Gottheit. Der „gehörnte Gott“ wird jedoch in unseren Breitegraden überwiegend okkult (schwarze Magie), negativ und als männliches Tier, also ein Bock, assoziiert (siehe Abbildungen unten).

In der Mythologie und Volkskunde unserer Region tauchen verschiedene Bräuche rund um „die Geiß“ auf. Lesen Sie weiter unten über einen alten Frühjahrsbrauch, der auch in NORSINGEN gepflegt wurde.
Bild vergrößern Der "Mendes-Bock" ist auf der Tarot Karte "Der Teufel" abgebildet.
Bild vergrößern Den sogenannten Hexen des Mittelalters wurde vorgeworfen sich rituell mit dem Teufel zu verbinden. Der Böse erschien immer in Gestalt eines "Geißbocks".

In Thiengen bei Freiburg wurde oder wird im Frühjahr eine Anzahl „Spieker“, kurzer, spitzer Stäbe, kreuzweise in den weichen Wiesenboden geworfen und dahinter ein mit drei Beinen versehenes Aststück, die Geiß, in den Boden gesteckt. Zwei Parteien warfen dagegen, bis der siegende Teil, der die „Geiß“ umgeworfen hatte, davon sprang und von dem besiegten eingeholt und auf dem Rücken zurückgetragen werden musste.

In den benachbarten Dörfern Schlatt und NORSINGEN schützte die eine Partei jene Geiß durch einen Zaun, den die anderen mit ihren Stäben umzuwerfen suchte. So ahmte die Jugend das Wettmähen der Schnitter nach. Denn nach alter Anschauung läuft eine dämonische Geiß durch das wogende Gras, die bei dessen Niesermähen immer lahmer wird, ja das eine Bein verliert, dreibeinig wird und schließlich im letzten Büschel getroffen und getötet wird. So stellen die Schnitter am Schluß der Ernte oder des Ausdrusches eine dreibeinige Habergeiß auf, die der letzte bekommt, und…(sogar)… in Schottland heißt das letzte Ährenbund „die lahme Geiß“.
Nach E.H. Meyer „Badisches Volksleben im 19. Jahrhundert“ – s. Bild.

Für volkskundlich und mythologisch Interessierte ist dieser alte Brauch mit seiner Symbolik eine wahre Fundgrube.


Für Kunstinteressierte sei auf zwei namhafte Künstler hingewiesen, die rund um den Bären "gewirkt" haben.

Da wäre zunächst der Maler Artur Stoll zu nennen. Der 1947 geborene Plastiker, Zeichner und Maler, der 2003 leider viel zu früh verstarb, konnte von seinem Atelier direkt auf den heutigen Hof des Bären schauen. 1989 erhielt Artur Stoll den Kunstpreis des Landes Baden-Württemberg. Lange Zeit seines Lebens war er eng dem Morat-Institut in Boissano/Ligurien verbunden. Einige seiner Werke sind heute im Morat-Institut Freiburg zu bestaunen.

Das eingangs bereits erwähnte historische Giebelbild an der Außenfassade der ehemaligen Stallungen des Bären wurde vom Markgräfler Heimatmaler Julius Kibiger (1903-1983) restauriert, übermalt und nach dem alten Vorbild neu gestaltet. Kibiger fand seine Motive überwiegend in den schmucken Dörfern des Markgräflerlandes. Einige seiner Werke finden sich im Markgräfler Museum Müllheim, etliche bemalte Fassaden überall in der Umgebung seines Heimatdorfes Auggen erfreuen die Menschen bis heute. „Du hast das Lied unserer Landschaft in Farbe gesungen,“ lobte ihn die alemannische Heimatdichterin Lina Kromer.
Bild vergrößern Ein "echter Kibiger" ziert seit Jahrzehnten die Wand der ehemaligen Stallungen...
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