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Historische Gasthäuser
Weil am Rhein
Ott's Leopoldshöhe
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Anekdoten & Mehr

Vorsicht Rebmesserler

In der Weiler Chronik von 1961 beschreiben Karl Tschamber und Ludwig Keller die Einwohner von Weil wie folgt:

"Der häufige Genuß des hier wachsenden guten Weines mag wohl da und dort eine erhöhte Reizbarkeit und Heftigkeit zur Folge gehabt haben. Wegen ihrer Impulsivität wurde den alten Weilern... Derbheit und Streitsucht nachgesagt...
Die alten Weiler Rebleute trugen stets das gebogene Rebmesser in der offenen Tasche. Fragte man früher einen Weiler: "Woher bisch?", so lautete die rasche Antwort: "Vo Will, worum?", und diese Antwort war von einem ebenso raschen Griff zum Rebmesser begleitet. Kein Wunder, dass die Weiler von jeher "Rebmesserler" genannt wurden."
Bild vergrößern Weiler Rebbauer (ca. 1950) *
Bild vergrößern So sieht ein historisches Rebmesser aus (Bild: Südtiroler Weinmuseum)

Mit dem Taxi nach Italien

Die BZ (Badische Zeitung) Serie "Bekannte Weiler" beschrieb Eugen Theodor Wegeler als ein kauziges Original, das recht unkonventionell sein konnte aber letztlich das Herz auf dem rechten Fleck hatte. Als das Restaurant Leopoldshöhe kurz nach Kriegsende am 06.10.1945 wiedereröffnet wurde lud er beispielsweise die Weiler Polizei zu einer kostenlosen Mahlzeit ein. Und bei großen Anlässen soll Eugen Theodor auch schon mal eine Saalrunde geschmissen haben.

Da er nie einen Führerschein besaß wurden Fahrten mit dem Taxi erledigt, so auch kurzerhand die Urlaubsreise nach Italien.

Eugen Theodor war beliebt und beleibt. Vor allem an heißen Sommertagen hatte er durch seine Leibesfülle in der Küchenhitze oft zu leiden. Wie erzählt wird konnte es durchaus passieren, dass er plötzlich für längere Zeit verschwunden war. Er saß dann im kühlen Keller des Gasthauses und genoss die angenehme Temperatur.
Bild vergrößern Eugen Theodor Wegeler wurde 1903 in Weil geboren. Drei Jahre zuvor hatte sein Vater Hermann (rechtes Bild - mit der Familie) das Gasthaus Leopoldshöhe gekauft
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Friedingen und seine „Schusterinsel“

Vom Standort des Hotel Ott´s Leopoldshöhe aus öffnen sich beeindruckende Ausblicke hinüber in die umtriebige Basler Bucht und auf die französischen Schwarzwaldschwestern, die Vogesen. Doch zuerst soll hier das Interesse der Besucher/innen auf die historischen Besonderheiten direkt vor der Haustür von Otts Leopoldshöhe gelenkt werden.

Wer das Gasthaus durch den Haupteingang verlässt, dem liegt gewissermaßen Friedlingen „zu Füßen“. Dieser Ortsteil von Weil bietet eine spannende und teilweise sehr kriegerische Vergangenheit, eine sehenswerte Gegenwart mit Vorzugslage direkt am Rhein und nicht zuletzt eine geschichtsträchtige Insel, die zwischenzeitlich keine mehr ist. Lesen Sie mehr über die wechselvolle "Inselgeschichte" nach den Bildern...
Bild vergrößern Die Schlacht von Friedlingen (14.10.1702) Vorne im Bild * ist die Schusterinsel gut zu erkennen, in der Bildmitte der steile Friedlinger Rain; unter dem Buchstaben "H" liegt Ötlingen und rechts oben, beim "P" die Tüllinger Höhe-zum VERGRÖSSERN ANKLICKEN
Bild vergrößern Linker Pfeil: Situation beim Zollamt "Schusterinsel" ; rechter Pfeil: Lage von "Ott's Leopoldshöhe" (Kartografie: © Städte-Verlag E.v. Wagner & J. Mitterhuber GmbH - 70736 Fellbach, www.staedte-verlag.de - Kartenausschnitt s. LINKVERZEICHNIS UNTEN)
Bild vergrößern Hier, wo sich der Komplex der ehemaligen Firma Schetty ausbreitet, lag früher die Schusterinsel als sie noch komplett vom Rhein umgeben war (Bild: Stadtarchiv Weil)
Bild vergrößern Nur das Fabrikgelände Schetty lag auf der ehemaligen Insel (Ansichtskarte um 1930)

Zunächst zur ehemaligen Insel. Vor der Regulierung des Rheins durch Tulla erhoben sich zwischen Basel und Märkt zahlreiche Inseln aus dem mächtigen Strom. Eine davon wird in alten Karten „das niedere Kälberwert“ und in der Neuzeit „Schusterinsel“ genannt.
Militärstrategisch wurde dieses Eiland bereits 1679 als vorgelagerter Brückenkopf der französischen Festungsstadt Hüningen (auf der gegenüber liegenden Rheinseite), umfangreich ausgebaut. Während der Folgejahre wurden die Anlagen im spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) immer wieder zerstört und neu aufgebaut.

Eine interessante Rolle spielte die Schusterinsel 1736 im so genannten Kleinhüninger bzw. Basler "Lachsfangstreit" - weitere Informationen dazu im Linkangebot ganz unten auf dieser Seite!

Das Festungs - Vorwerk auf der Schusterinsel wurde 1796/97 während des ersten Koalitionskrieges noch ein letztes Mal errichtet, umkämpft und zerstört.

Napoleon forderte übrigens1810, die Schusterinsel an Frankreich abzutreten.

1833 kam die Insel jedoch in den Besitz des badischen Staates, welcher hier eine Zollstation für per Schiff transportierte Waren einrichtete.

1848 wurde die Schusterinsel im badischen Aufstand zum Sammelplatz für die Revolutionäre der Umgegend. Seit dem 20.04. hatten sich die „Schusterhelden“ (von den anderen Revolutionären so genannt) dort verschanzt, zogen aber nachdem sie die Nachricht der verlorenen Schlachten auf der Scheideck, bei Steinen und auf dem Dinkelberg erreicht hatte, am 27.04.1848 wieder ab.

Um 1860 wurde der Rheinarm trocken gelegt und dadurch die Insel mit dem Festland verbunden.

Exakt auf dem Gebiet der früheren Schusterinsel lagen die Fabrikanlagen der Färberei Schetty, welche 1899 von der gleichnamigen Basler Unternehmerfamilie gegründet wurde und 1970 wie viele andere der Krise unserer heimischen Textilindustrie zum Opfer fiel.

1901 wurde die „Färberei und Appretur Schusterinsel“ gegründet – sie führte zwar die Insel im Namen lag aber nicht mehr auf dem Gebiet ehemaligen Insel. Noch heute wird mit dem Begriff „Schusterinsel“ überwiegend dieses Unternehmen verbunden, welches bis in die 1970er Jahre größter Arbeitgeber der Gemeinde war.

Diesen Angaben liegt die „Chronik der Gemeinde Weil“,1961, von Karl Tschamber + Ludwig Keller zu Grunde.
Bild vergrößern Die Brücke ins französische Hüningen in den 1930er Jahren
Bild vergrößern ... und heute