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Historische Gasthäuser
Titisee-Neustadt/Schwärzenbach
Gasthaus Ahorn
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Rolle in der Geschichte

Alles unter einem Dach vom Ursprung bis zur Gegenwart

Was hat ein historisches Gasthaus was andere nicht haben? Tief verwurzelt in Traditionen und entwickelt über Generationen kann es Geschichten erzählen. Fest verbunden mit der Landschaft steht das Gasthaus Ahorn seit über 500 Jahren in Schwärzenbach.
Bild vergrößern Tanz auf dem Ahorn, ca. 1850
Bild vergrößern Hochzeit im Ahorn um 1900
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Die Jahreszahl 1650 am Deckenbalken über der Stubentür kann nur auf den Schwarzwaldhof mit dem heutigen Grundriss hinweisen.

Die Geschichte des "Ahorn" ist älter und eng verknüpft mit dem Kloster Friedenweiler, dem es einmal gehörte. Im so genannten Rodel, der die Güter und Zinse des Klosters aufzählt, wird 1529 der erste Ahornwirt genannt. Hier heißt es: "Hans Meyger uf der ahorn im richenbach: hat 1 lehen uf dem ahorn." Die Aufzeichnungen sprechen weiter von "Ein Pfund Pfennig ab der Ahorn". Historiker erklären, dass hiermit eine Art Getränkesteuer der Gastwirtschaft gemeint ist.

Und sogar noch früher muss das "Ahorn" als Gastwirtschaft bestanden haben. Im Erbteilungsvertrag vom 9. November 1455 der Grafen Konrad und Egon von Fürstenberg wird das "Ahorn" aufgeführt. "Item 1 Pfund Pfennig ab der Ahorn" heißt es dort. Auch hier ist also schon die Rede von einer Getränkesteuer der Gastwirtschaft. Demnach hat der Hof bereits 1455 bestanden. Wann genau ursprünglich der Grundstein gesetzt wurde, ist nicht belegt.

Eine so lange Zeit unbeschadet zu überstehen, grenzt schon an ein Wunder. Auch die abgelegenen Schwarzwaldhöhen blieben von Kriegen nicht verschont. Die Menschen hatten den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zu überstehen, ebenso wie u.a. die Raubkriege Ludwig XIV. (1688), den Spanischen Erbfolgekrieg und zwei Weltkriege. Aus nachvollziehbaren Gründen waren die Wirtshäuser besonders in schlechten Zeiten begehrte Anlaufpunkte. Hier konnte man Speisevorräte und gute Weine vermuten. Die Vorstellung, dass in diesen verheerenden Jahren geraubt, geplündert und gemordet wurde, entsetzt noch heute. Wie viele Schwarzwaldhöfe, aus Holz gebaut und mit Scheunen voller Heu und Stroh, in Kriegszeiten abbrannten, lässt sich nur erahnen.

Glücklicherweise blieb dem "Ahorn" dieses Schicksal erspart. Wie Frank Benz weiß, kann man den Schwarzwaldhöfen sogar ansehen, ob sie in den letzten 200 Jahren abgebrannt und neu aufgebaut sind.
In der älteren Form sind die Wohnräume dem Hang zugewandt, der Ökonomieteil war talseitig und damit sonniger ausgerichtet. Beim "Ahorn" handelt es sich um die älteste Form eines Schwarzwälder Bauernhauses. Es ist ein vor allem im Hochschwarzwald anzutreffendes Heidenhaus, auch Höhenhaus genannt, bei dem in seiner älteren Form die Wohnräume dem Hang zugewandt sind. Erst vor ca. 200 Jahren drehte man bei der Errichtung den Grundriss um 180 Grad. Bei den neueren Höfen gönnen sich die Bewohner die Sonnenseite, Stallgebäude und Scheunen liegen zum Hang. Beim denkmalgeschützten "Ahorn" war dem Vieh immer die Schokoladenseite reserviert. Auch der 2010 neu errichtete Stall schließt an den alten, talseitigen Ökonomieteil an.

Die Zeitreise im "Ahorn" führt unweigerlich zu zwei bekannten Familiensippen des Hochschwarzwaldes, den Winterhalders und den Hofmeyers (Schreibweise auch Hofmeier). Einige Familienangehörige waren über Jahre Wirtsleute im "Ahorn", andere verschrieben sich der Uhrmacherei und wurden Besitzer der renommierten Uhrenfabrik Winterhalder und Hofmeier.

Seit Anbeginn steht das Gasthaus Ahorn nahe der Wegkreuzung Friedenweiler - Schollach. Weil sich dort schon ewige Zeiten ein Kreuz befindet, kann man sich gut vorstellen, warum der Besitzer der Ahornwirtschaft auch "Kreuzwirt" genannt wurde. Auch findet sich in alten Schriften die Bezeichnung "Einhorn". Jedoch heißt es in den ältesten Urkunden "Ahorn". Namensgeber war wohl der Ahornbaum, ebenso wie für die Ahornhöhe und die Ahornhäuser in der nächsten Umgebung. Ob durch den Baumbestand oder doch, wie die Sage über den Hexenmeister berichtet (siehe Kapitel "Überlieferungen und Mytgologie"), bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Immerhin wächst an der Hauswand ein alter Ahornstamm, der regelmäßig gestutzt wird zwar niedrig gehalten wird, jedoch die Mutmaßung zulässt, das Gasthaus könne auf dem vom Hexenmeister vorhergesagten Ahornbaum stehen.

Wenn man im Buch der Zeit zurückblättert, tun sich neben den schwierigen auch immer die schönen Seiten auf. In der friedlichen Landschaft um Schwärzenbach fällt es leicht, sich glückliche Tage auf dem Ahornhof vorzustellen. Tage im Einklang mit der Natur und im Rhythmus der Jahreszeiten. Bestens geeignet für fröhliche Feste war der Tanzsaal auf der heutigen Tenne. Der Friedenweiler Bierwirt, Maler und Dichter Nikolaus Ganter (1809 bis 1886) hat das ausgelassene Treiben in seinem Gemälde "Tanz auf dem Ahorn" dargestellt. Er schuf damit eines seiner wenigen Innenraumbilder. Überwiegend zeigen seine Gemälde Landschaften des Hochschwarzwaldes, Höfe um Schwärzenbach und den Ort Friedenweiler mit seinen Klosteranlagen. Das Originalgemälde "Tanz auf dem Ahorn" ist im Badischen Landesmuseum Karlsruhe zu bewundern. Wer sich mit einer Kopie begnügt, findet diese im Gemeindesaal Schwärzenbach schräg gegenüber des Gasthauses Ahorn.

Alles fließt. Auch im "Ahorn" bleibt die Uhr nicht stehen. Im Jahr 1950 wurde umgebaut. Auf früheren Fotos ist am hangseitigen Hausgiebel noch die überdachte Zufahrt zum Dachboden zu sehen. Zu Zeiten, in denen dieser als Tanzboden fungierte, gelangten die Feiernden über diesen Eingang in den Festsaal. Über der Gaststube haben heute Frank Benz mit seiner Ehefrau und Onkel Wilhelm Knöpfle Wohnungen. Bis 2009 wurden noch Zimmer mit Frühstück vermietet. Äußerst interessant, im noch existierenden Reisebuch von 1906 zu blättern. In gestochener Sütterlinschrift sind die Gäste des "Ahorn" eingetragen. Schon damals nahmen sie teilweise beschwerliche Wege in Kauf, um sich in guter Schwarzwaldluft zu erholen. Ein Blick in die Zukunft verrät: Im alten Ökonomieteil sind zwei Ferienwohnungen geplant. Vielleicht wird 2015/2016 ein neues Reisebuch angelegt.

Hochzeitsuhr und Lebenstufenbilder

Vorsicht! Hoch gewachsene Menschen sollten beim Betreten des Gasthauses den Kopf einziehen, die niederen Türen könnten sonst Probleme bereiten. Innen wartet eine authentische Wirtsstube mit sechs kleinen Fenstern, Kachelofen, Dielenboden, tief eingezogenen Decken und ländlich-familiärer Stimmung. Erster Eindruck: hell, aufgeräumt, freundlich, gemütlich, echt, gut. In gebrochenem Weiß gehaltene Holzvertäfelungen an Wänden und Decken und der Verzicht auf jegliche folkloristische Dekoration lassen die Gaststube gerade in ihrer Schlichtheit anziehend wirken.

Von wegen schlicht! Man muss die Schätze nur sehen! Als erstes fällt die große Standuhr ins Auge, eine Rarität, die man sonst fast nur noch im Museum sieht. Aber sie gehört zum "Ahorn" seit fast 100 Jahren. Mit den Namen des Wirtepaares Wilhelm Knöpfle und Sophia Eckert versehen wurde sie deren Hochzeitsuhr.
Bild vergrößern Lebensbrücke Mann
Bild vergrößern Lebensbrücke Frau

Ursprünglich gefertigt war die Standuhr von der in der Region ansässigen Uhrmacherfamilie Winterhalder für den Verkauf in England. In England angekommen, fand sie jedoch keinen Abnehmer und kam so in ihre Heimat zurück und als Hochzeitsuhr der Eheleute Knöpfle in das Gasthaus Ahorn. Das handwerkliche Meisterstück läuft -einmal aufgezogen- noch heute 30 Tage lang und zeigt außer den Stunden, Minuten und Sekunden auch die Mondphasen. Dies war früher für einen bäuerlichen Betrieb äußerst wichtig, da alle Tätigkeiten von der Aussaat bis zum Schlachten nach dem Stand des Mondes ausgerichtet wurden.

Neben der Standuhr vervollständigt der über Eck gemauerte wuchtige grüne Kachelofen die gemütliche Stubenatmosphäre. Der ideale Platz, um am Ofentisch ein Schwätzchen zu halten und über Gott und die Welt zu diskutieren.

Keiner weiß, wer S. Dietsche war, der das Gasthaus Ahorn malte und signierte. Die Vermutung liegt nahe, dass sich ein talentierter Gast von der Hofansicht inspirieren ließ. Seitdem ziert das Bild die Gaststube.

Auch über den Ursprung der Lebensstufenbilder weiß man nur, dass sie ca. 100 Jahre alt sind. "Es hing schon hier, als ich auf den Hof kam" gab schon Theresia Knöpfle an. Und das war 1922, da zog sie als junge Ehefrau und Wirtin im "Ahorn" ein. Lange Zeit hing die Lebensbrücke des Mannes alleine in der Wirtshausstube. Was fehlte, war die passende Frau dazu. Ein weiblicher Gast hatte schließlich ein Einsehen und brachte den Brüdern Benz das Pendant: Die Lebensbrücke Frau. So fand zusammen was zusammen gehört!

Erst beim Rundgang durch den Ökonomieteil erschließt sich dem Betrachter die gigantische Größe des Hofgebäudes. Treten wir ein durch die Brunnenhütte, in der vor nicht allzu langer Zeit noch die Toilette des Gasthauses untergebracht war. Davor wurde außer am Brunnentrog im Freien hier das Vieh getränkt. Noch heute reicht das Wasser der hauseigenen Quelle für die flüssige Versorgung des Viehs.

Angenehm kühl ist es im Kellergewölbe. Für die Vorratshaltung der Getränke sind die Temperaturen nahezu ideal. Nur die Kühltruhen für die Lebensmittelvorräte geben einige Wärme ab.

Seit 2010 der neue Stall gebaut wurde, stehen die alten Viehboxen verlassen und leer. Aber in der Etage darüber wird noch Heu und Stroh gelagert. Über Holzstiegen geht es noch höher hinauf auf den Dachboden. Das alte Gebälk ist gespickt mit alten Holznägeln, ein weiterer Beweis dafür, dass der Ahornhof uralt ist und nie einem Feuer zum Opfer fiel.

Kann das sein? Ein würziger Duft von geräuchertem Schinken steigt in die Nase. Tatsächlich tut ein alter Räucherofen auf dem Dachboden noch seine Dienste. Die betagte Dreschmaschine hat dagegen ihren Geist längst aufgegeben.

Viel Platz und viele Ideen. Zwei Ferienwohnungen sind für 2015/2016 angedacht. Auch für Musik- oder Theaterevents würde die Tenne den perfekten Rahmen bilden. Jazz im Hof hat es schon gegeben und findet auch immer wieder in der Gaststube statt. Das Schlagzeug der renommierten Black Forest Jazz Band steht bereits in Schwärzenbach. Denn der Bandleader und Schlagzeuger Hermann Janssen wohnt hier. Wer weiß, vielleicht schließt sich irgendwann der Kreis zum Tanzboden von einst.

Bilder

Ahorn um 1950
Ahorn um 1960
Ahorn um 1900
Brauereirechnung von 1909
Auszug aus dem Reisebuch von 1906
Strafverfügung wegen Überschreitung der Sperrstunde von 1923
Tanz auf dem Ahorn