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Historische Gasthäuser
Freiburg
Gasthof zum Roten Bären
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Rolle in der Geschichte

...ein Stück ältestes Freiburg

Den Gasthof Zum Roten Bären als steinernes Geschichtsbuch zu bezeichnen ist keine Übertreibung.
Bild vergrößern 1000-jähriger Pfeiler im Kellergewölbe
Bild vergrößern Das steinerne Geschichtsbuch aufgeschlagen...
Bild vergrößern Der "Grafenhof Bertolds 'von Villingen'", der um das Jahr 1000 dort stand, wo heute der "Bären" steht. Rekonstruktion des Hauptbaus von Dr. Immo Beyer
Bild vergrößern Urkunde vom 13. März 1387. Die Wörter 3 bis 8 in der dritten Zeile lauten: "Hanman wirt ze dem Roten Bern" (vergrößern = anklicken)

Eine über 1000 Jahre altes "Geschichtsbuch aus Stein"

Die Geschichte im „Bären“ ist nicht zuletzt Baugeschichte und Unterstützung der Archäologie; dies hat das alte Haus unwiderruflich geprägt und für kommende Jahrhunderte fit gemacht. Eine kurze Rückschau:

Etwa im Jahr 1000:
Die Uranfänge Freiburgs rund um den „Grafenhof der Bertolde“


Zugleich öffnete sie aber auch das Tor zur Vergangenheit. Denn während des ersten Bauabschnitts beim Umbau von 1972 wurden im Hinterhof nahe der ehemaligen Stadtmauer mittelalterliche Latrinen entdeckt – zur Freude der Archäologen! Besonders der Stadtarchäologe Immo Beyer war es, der die Baugeschichte des „Bären“ akribisch dokumentierte. Er entdeckte u. a. eine Brunnenstube aus hochmittelalterlicher Zeit, konnte einen mächtigen Balken im Keller präzise auf das Jahr 1263 datieren (durch eine dendrochronologische Untersuchung) und erkannte, dass die Fundamente des heutigen Gasthofs bis zur Zeit der ersten Jahrtausendwende zurückreichen – also zweihundert Jahre älter sind als Freiburg selbst!

Damals gab es an dieser Stelle einen ottonischem Feudalhof – Beyer bezeichnete ihn als den „Grafenhof der Bertolde“. Er wurde geschützt durch eine Umfassungsmauer, die den Vorgängerbau des „Bären“ und seine beiden Nebengebäude einschloss. Bis heute dauern die archäologischen Forschungen an. Sie bleiben verheißungsvoll: Verdichten sich doch die Hinweise, dass genau an der Stelle, wo heute der „Bären“ steht – unter der ehemaligen „Nase“ des Schlossbergs auf dem Schwemmkegel der wilden alten Dreisam – die Ursiedlung lag, aus der später Freiburg hervorging. Stadtgeschichte und „Bären“-Geschichte fallen zusammen – ja, der „Bären“ selbst war wahrscheinlich seinerzeit eine Keimzelle der Stadt…

Seit 1311 bis zum Ende des 14. Jahrhunderts:
Familie Bienger – Bürger, Bärenwirte, Zunftmeister, Ratsherren


Selten macht ein Gerichtstermin sechshundert Jahre später noch Menschen froh. Dieser schon.

Es war am 13. März 1387. Damals erschien vor dem Freiburger Schultheißen Thoman von Kilchein die Klägerin Anna Buggingerin – ihr gehörte eine Wiese bei Littenweiler – und außerdem Hanman Bienger, der Bärenwirt. Bienger wurde beschuldigt, einen Wassergraben mit Absicht so angelegt zu haben, dass die Wiese von Frau Bugginger nicht ordentlich bewässert werden konnte.

Der Clou des Streites ist für uns Heutige nicht die Wasserfrage, sondern der Umstand, dass der Beklagte im Protokoll dieser Anhörung eindeutig als „wirt ze dem Roten Bern“ bezeichnet wurde. Es ist das älteste Dokument, das den „Roten Bären“ mit Namen nennt und zugleich auch einen der Wirte.

Möglicherweise stammt die Familie Bienger aus dem Dorf Biengen im Nordwesten von Bad Krozingen und Staufen. In Freiburg urkundlich nachweisbar ist sie seit 1311. In diesem Jahr war ein gewisser „Johan der Bienger“ Zeuge bei der Beurkundung des Verkaufs einer „Gült“ (das ist eine besondere Form von Grundstückspfand) – so geschehen am „Dunrestage nach Sant Niclawes“, also am 9. Dezember 1311. In einer anderen Urkunde taucht ein „Johans Bienger“ auf: Der war am 27. Oktober 1361 Gründungsmitglied der bürgerlichen Gesellschaft „zum Gauch“… Und im Verzeichnis der Häuser, die dem Adelhauser Kloster grundzinspflichtig waren, findet sich im Mai 1327 auch das „hus zer oberun lindun“. Dessen Lage wird angegeben wie folgt: „da lit einhalb dran des Biengers hus“. Jeder Freiburg-Kenner wird bei dieser Beschreibung sofort hellwach: Denn steht der „Rote Bären“ nicht heute noch einen Steinwurf weit vom Oberlindenbrunnen entfernt?

Ende des 14. Jahrhunderts hatte Freiburg ungefähr 9.000 Einwohner: Da waren Karrer und Metzger, Kürschner und Tucher, Krämer und Bäcker, Schmiede und Wirte, Gerber und Fischer… Einige der Berufsbezeichnungen finden sich bis heute in alten Straßennamen der Altstadt wieder. Hanman, der Bärenwirt, sollte es bis zum Zunftmeister und Stadtrat bringen. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Stadtchronist Wilhelm Fladt seine – und die Geschichte der übrigen Bienger mit Fleiß und Spürsinn aus den Archiven gehievt. Auf Fladts Ergebnissen stützt sich im Wesentlichen der Anspruch des „Bären“, Deutschlands ältester Gasthof zu sein. Und Fladt zu Ehren trägt ein prächtiger Saal im Gasthof den Namen „WILHELM-FLADT-STUBE“. Inoffiziell nennt man diesen Raum „Tannenzäpfle“ - möglicherweise wegen der länglichen Form…

1680 bis 1723: Der Wirt Andreas Pflug

Zwanzig Jahre gehörte Freiburg zur französischen Herrschaft; Ludwig XIV. selbst besuchte 1681 mit großem Gefolge die Stadt. „Welch ein Garten!“, soll er gesagt haben, als er Freiburg von einer Anhöhe aus vor sich liegen sah.

Kriegs-, Pest-, und Hungerszeiten hatte der „Bären“ bis dahin wie durch Wunderhand überstanden; doch als 1713 im Spanischen Erbfolgekrieg französische Truppen die Stadt mit einem Hagel aus Brandgeschossen eindeckten, war auch der „Bären“ nicht mehr zu retten. Andreas Pflug, der damalige Wirt, entschloss sich zu einem Neubau. Die beiden Häuser, aus denen das Vorderhaus bis dahin bestanden hatte („Großer“ und „Kleiner Bären“) ließ er abreißen und errichtete an ihrer Stelle einen prächtigen, dreigeschossigen Bau. Nur Treppenturm, Giebelwände und Keller ließ er unberührt.

Das meiste, was wir heute am „Bären“ vor uns sehen, hat Andreas Pflug geplant und errichtet. 1718 wurde der neue Bau eingeweiht. Auch der schöne Ausleger mit dem goldenen Bären, der auf die Straße hinausschaut, stammt aus dieser Zeit.
Bild vergrößern Der "Bären"-Ausleger von Andreas Pflug aus dem Jahr 1718. Rechte Seite: Darstellung des Schwabentors sowie des "Großen" und "Kleinen Bären" im berühmten Freiburg-Plan von Gregorius Sickinger aus dem Jahr 1589.
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Die Innenräume und deren Ausstattung sind ein Spiegel der Schwarzwald-Kultur und einer außergewöhnlichen Hausgeschichte.

1. Geschnitzte Volkskunde: Trachten und Masken
Schnitzarbeiten (ehemalige Lampenzierung) eines Meisters aus Freudenstadt sind nicht nur Reminiszenzen an unsere Schwarzwälder (Trachten-)Kultur, sondern herrlich farbige Alltagsszenen. Die Gesichter sind besonders ausdrucksstark und man glaubt schier den Charakter der Dargestellten "ablesen" zu können. Ferner können im Restaurant ausdrucksvolle historische Masken der alemannischen Fasnacht betrachtet werden. Sie gehören zur Figur des "Elzacher Schuttig", einer Urgestalt des närrischen Brauchtums.

2. Freiburg im Jahr 1589
Der Freiburg-Plan von Gregorius Sickinger aus dem Jahr 1589 zeigt die alte Stadt in unvergleichlicher Detailfülle. Sogar die berühmten "Bächle" sind eingezeichnet - eine wichtige Infrastruktur zur Wasserversorgung. Sie führten Wasser heran, das sie über mehrere Brunnen verteilten und am Ende wieder der Dreisam zuführten. Es ist zu sehen wie die Gerber ihre Felle trockneten oder dass die Wirte den Buschen herausgehängt hatten. Da sind der Fischmarkt und die Tore: Mönchstor, Christoffelstor, Martinstor und das alte Schwabentor, in dessen Nähe sich die Häuser des „Großen“ und „Kleinen Bären“ befinden. Es ist die einzige Darstellung des „Bären“ vor dem Umbau durch Andreas Pflug im Jahr 1718. (siehe Abbildung im Kapitel "Rolle in der Geschichte").

3. Der Bär(en) auf Schritt und Tritt
Wer hier durchs Haus läuft, begegnet überall dem Gasthaussymbol. Man hat beispielsweise unzählige kleine Bären buchstäblich "zu Füßen". Das Bärenmuster auf dem schönen Teppich ist der goldenen Bärenfigur auf dem Ausleger zur Straße hinaus nachempfunden. Diesen Teppich gibt es nur hier; es handelt sich um eine Sonderanfertigung. Ein Bär als Schirmständer ist ein weiteres Beispiel handwerklicher Kunst, diesmal aus dem Elsass.
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Bild vergrößern Im Plan von 1589 kann man stundenlang mit den Augen spazieren gehen. Da ist die Mauer rund um die Stadt und ein Graben davor, in dem Hirsche springen. Die "Bächle" verliefen damals noch mitten in der Straße.

Bilder

Diese historische Ansichtskarte zeigt den Bären (links) und Oberlinden vom Schwabentor her. Es ist ein Zeitbild um 1900; gelaufen (also versandt und postalisch gestempelt) ist die Karte 1911.
... auch der Text ist ein Zeitdokument. Die Anschrift (Hochwolgeborene Familie...) ist durchaus nicht ironisch gemeint.
Hier eine kleine Rarität: die Ansichtskarte lief 1906 und zeigt das Schwabentor in alter Form mit neogotischer Dachverzierung. Auf dem oberen Bild die Schlossbergbefestigung im 16. Jahrhundert nach einem Gemälde, welches im Bären zu sehen war.
Um 1920 dürfte dieses Bild mit Bierkutsche vor dem Bären entstanden sein. Der Name des Inhabers prangt an der Fassade - Anton Riedmüller begründete die Bären-Wirtedynastie des 20. Jahrhunderts.
Hochzeitsfoto von Anton Riedmüller und seiner Frau Emma, einer geborenen Böhler aus Waldshut. Die Eheleute übernahmen den Bären am 21. Februar 1919.
Vor der Riedmüller-Dynastie wirtete die Familie Dienger von 1892 bis 1915 auf dem Bären. Der Name Dienger ist als Fassadenaufschrift erkennbar (Aufnahme mit interessanter Strassenszene um 1900).
So sah es im Bären in den 1920er Jahren aus.
Mitte der 1930er Jahre ließ Eugen Riedmüller senior (Sohn von Anton + Emma) die Gasträume erneuern. Deckengestaltung und Wandvertäfelung sind noch wie im Bild zuvor (1920er Jahre).
Auch im rustikal gestalteten Gastraum, hier um 1920...
... wurden von Elsa + Eugen (senior) Riedmüller Mitte der 1930er Veränderungen vorgenommen. Erkennbar am weniger überladenen Bildschmuck der Wände. Die herrlichen schwarzwälder Schnitzfiguren der Lampenverzierung sind noch erhalten.
Eugen Riedmüller senior... Sein Sohn, Eugen junior, übernahm den Bären 1965.
Ansicht um 1965. In diesem Jahr kam Monika Bried in das Traditionsgasthaus und wollte nur die Wintersaison überbrücken. Wie sie (1968) Bärenwirtin wurde und weitere Filetstücke der Bärengeschichte sind in ihrem BUCH VOM ROTEN BÄREN zu entdecken.
Um 1970 und...
1980