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Anekdoten & Mehr



Ein Briefwechsel zwischen dem Großherzoglichen Bezirksamt Schopfheim und dem Eichsler Bürgermeister Roggenmoser liest sich heute sehr erheiternd. Er stammt aus dem Jahre 1893, also ein Jahr, bevor die heutige Wirtedynastie Keßler–Trüby–Höferlin–Börner das Gasthaus übernahm. Vor dem Amtsgericht war von einigen Eichsler Bürgern geklagt worden, der „Maien“ habe sich unter der Führung des offensichtlich zahlungsunfähigen Franz Wagner in eine „Lumpenwirtschaft“ verwandelt, „weil ein ehrenhafter Gast seinen Betarf nicht selten gar nicht erhaltet“. Das Bezirksamt fragt deshalb beim Bürgermeister nach, ob ihm „etwas davon bekannt ist, daß die Wirtschaft zur Förderung der Völlerei und der sonstigen Untersagungsgründen nach § 33 Ziff. 1. Gewerbeordnung mißbraucht wird“. Bürgermeister Roggenmoser teilt „ergebenst“ mit, „daß diesseits nichts bekannt ist, daß die Wirthschaft zur Förderung der Völlerei mißbraucht wird“.
Bild vergrößern Chronist Adolf Gottfried Kähny erwähnt in der „Ortschronik der Gemeinde Eichsel“ von 2003 den möglichen römischen Ursprung des Kirchturms.
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Der untere Teil des Kirchturms soll als Wachturm erbaut worden sein, so eine Vermutung, deren Quellen er nicht nennt. Sie lasse sich jedenfalls nicht beweisen; bemerkenswert sei aber doch, daß man von der Höhe des ursprünglichen Turms freie Sicht auf den Schweizer Ort Augst, das alte römische Augusta Raurica am Rhein, habe. Reinhard Börner weist darauf hin, daß sich eine Außentür auf Höhe des ersten Turmsegments befindet, die man von außen nur über eine Leiter erreichen können – eine Leiter, die die Verteidiger im Falle eines Angriffs eingezogen hätten. Der untere Teil des Turms ist außerdem schief; der obere hingegen ist wieder gerade gebaut.

Der Eichseler Umlauf und ein legendärer Brunnen
Seit dem Jahr 1504 wird am Eichsler Umlauf mit Prozession und Volksfest den drei heiligen Jungfrauen gedacht, deren angebliche sterbliche Überreste in der Sankt-Gallus-Kirche aufbewahrt werden. Verschiedene Legenden der drei Jungfrauen berichten, dass diese zunächst zu viert waren, und zwar im achten oder neunten Jahrhundert in Begleitung der Heiligen Ursula auf der Rückreise von Augusta Raurica nach Köln. Christiana, die vierte Jungfrau, verstarb als erstes. Sie wurde auf einen Wagen gelegt, den junge Rinder auf den Dinkelberg zogen. Wo sie stehenblieben, wurde Christiana beerdigt: Die Erhebung heißt heute Chrischona und gehört zur Schweizer Gemeinde Bettingen. Die anderen drei Jungfrauen verstarben kurz darauf in der Nähe von Eichsel. Ihrem Wunsch gemäß wurde bei ihnen genauso verfahren; und die Rinder blieben diesmal in Ober-Eichsel stehen. Der Volksmund gab den dreien die Namen Kunigunde, Mechtrudis und Wibranda.

Schon kurz nach Tod der Jungfrauen sollen an ihren Gräbern die ersten Wunderheilungen stattgefunden haben; die Fürbitte der drei Jungfrauen soll vor allem bei Augenleiden helfen. 1504 wurde die Wundertätigkeit in Eichsel vom Päpstlichen Legaten untersucht und bestätigt; die Jungfrauen durften damit als Volksheilige offiziell verehrt werden. Damals sollen 5000 Menschen nach Eichsel gekommen sein; aus dem kleinen Dorf wurde für Jahrhunderte ein regional bedeutender Wallfahrtsort. Wenig überraschend, dass sich schon schnell um das jährliche Fest am dritten Sonntag im Juli ein Jahrmarkt mit Buden, Musik und Tanz entwickelte. 1820 war es die Katholische Kirche selbst, die den Umgang untersagte, weil wohl zu viele weltliche Lustbarkeiten getrieben wurden. 1869 ordnete das Erzbistum Freiburg jedoch wieder an, die Reliquien öffentlich zu zeigen.

Reinhard Börner, Vater des heutigen „Maien“-Wirts Oliver Börner und aktueller Ortsvorsteher Eichsels, organisierte 25 Jahre lang das Volksfest, das auf dem Dorfplatz stattfindet, der von der Sankt-Gallus-Kirche und vom „Maien“ begrenzt wird. Als Ortsvorsteher verhinderte Börner 2014, daß das Fest nach über 500 Jahren selbst zur Legende wurde und stellte die Organisation auf neue Beine. Noch heute ist er in der von ihm mitgegründeten IG Eichsler Umgang aktiv. Zu einem richtigen katholischen Heiligenfest gehören neben den Reliquien natürlich auch Fahne, Monstranz und Himmel. Diese Gegenstände sind seit 2016 im kleinen Museum für Kirchenschätze im Gewölbekeller des Pfarrhauses untergebracht. Zusätzlich wurden die Figuren der drei Jungfrauen restauriert, die zuvor „lieblos in der Rumpelkammer der Kirche untergebracht“ gewesen seien.

MÄGDEBRUNNEN
Auf der alten Römerstraße von Eichsel hinauf nach Adelhausen in der Verlängerung der Eichsler Schloßgartenstraße steht auf etwa halber Strecke der Mägdebrunnen. Der Legende nach soll eine der drei Jungfrauen, die im Eichsler Umlauf verehrt werden, dort Durst bekommen und ihren Stecken in den Boden geschlagen haben. Daraufhin sei dort eine Quelle aus dem Boden getreten. Die Überlieferung dieser Geschichte wurde in einem Prozeß 1504 von Zeugen belegt. Mindestens seit 1839 gibt es der Stelle der legendären Quelle einen Brunnen.
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Bild vergrößern Bilder: EU Leader + Touristinfo, Rheinfelden


Laut Chronist Kähny ist nachgewiesen, dass der Römerweg vom Rhein- ins Wiesental an Stelle des späteren Eichsels entlang der Hänge des Dinkelbergs verlief. Beim Mägdebrunnen [siehe Kapitel "Anekdoten & Überlieferungen"] seien Tonscherben gefunden worden. Die Besiedlung von Nieder- und Obereichsel wird auf das achte oder neunte Jahrhundert angenommen.
1902 wurde von der Oberpostdirektion Konstanz eine Fahrpost von Maulburg über Adelhausen nach Eichsel eingerichtet. So konnten die Sommerfrischler mit Bahn und Postkutsche zur Erholung auch nach Eichen kommen und das Dinkelbergdorf bezeichnete sich nun als Kurort. Auf der 1902 gelaufenen Ansichtskarte links unten schreibt der Maien Wirt: Dein Brief dankend erhalten, hat uns gefreut, daß es Dir gut geht u. gesund bist wie wir auch. Schreibe bald wieder viele Grüße von der ganzen Familie Dein Onkel L. Keßler
Zu Ludwig Keßler siehe Kapitel "Die Wirtsleute".
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Bild vergrößern Die ältesten Teile der Bausubstanz des "Maien"
Bild vergrößern sind im Bereich des Gewölbekellers zu entdecken.

Unten:
Reinhard Börner war oder ist nicht nur Gastronom, Hotelier, Ortsvorsteher, Sportvereingründer, Tauchlehrer, Marathoni und Triathlet, sondern widmet sich auch der Glasbläserkunst, seit seiner offiziellen Pensionierung als „Maien“-Wirt 2012 umso intensiver. Kleine Figuren in Tier- und Menschenform stellt er in einer Vitrine in der Rezeption aus; seine Designvasen schmücken die Tische und können vor Ort gekauft werden. Reinhard Börner bietet auch Glasbläserseminare zum Teambuilding an.